Die beste Mama, die ich sein kann

Das Thema Vollzeitmutter/Teilzeitmutter kursiert gerade wieder auf den Familienblogs. Auch ich habe schon sooooooo viele Gedanken dazu gehabt (und in meinem Blog darüber geschrieben, immer mal wieder). Der Mäusepapa hat nur einen Bruchteil solcher Gedanken. Seine Rolle als Vater ist ihm irgendwie klar. Jedenfalls klarer als mir das Muttersein. Na gut, ich bin immerhin seit 9 Jahren Mutter. Das müsste im Grunde ausreichen, um sich ein Bild davon zu machen. Von mir als Mutter. Tatsächlich war es genügend Zeit, um einige Entwicklungssprünge durch zu machen. Damit meine ich meine eigenen. Von OMG, ich gehöre zu meinen Kindern nach Hause! bis hin zu Ich halte das nicht aus, ich will arbeiten! ist schon alles dabei gewesen. Denn mit einem habe ich nicht gerechnet als ich Mutter wurde. Das mich das so überwältigt und gleichzeitig verunsichert.

Du gehörst 24/7 zu deinem Kind. Das haben mir meine Hormone gesagt, hat mir mein Herz gesagt, hat mir manche Mutter gesagt (nie ein Vater), hat mir zum Glück nie meine Mutter gesagt,  habe ich aber aus jedem Blick meiner Kinder herausgelesen. Eine Mutter sein, mit Haut und Haaren. Rund um die Uhr Händchen halten, Schnodder abwischen, Lieder singen, Arme verknoten, Schlösser bauen, Waffeln backen. Ein sattes Herz. Das habe ich mir gewünscht. Ganz ehrlich. Ich habe eine kleine Weile daran geglaubt, dass das genügen kann. Diese drei Minimenschen. Und ich. Das ist doch so viel. Das Schnuteziehen, die speckigen Ärmchen, die duftigen Haare, watteweiche Wärme an meinem Bauch, ihre Hände in meinen, ihr Herumwuseln, ihr Lachen, ihr Mama, guck mal! Mama weißt Du? Mama, sag mal! Meine Müdigkeit, mein Vernarrtsein, mein Känguruhsein, mein Wärmflaschesein, mein um alles herum sein, mein Dankbarsein. Ach Mensch, das ist ja auch wahnsinnig viel.

Nach einem Jahr Elternzeit (jedes Mal) war dann aber auch das in mir: Verdammter Mist, das kann ich nicht. Ich kann das alles nicht 24/7 sein. Ich will arbeiten, ich will eine Pause von meinen Kindern haben (sie von mir auch), ich will den Papa auch Vater sein lassen, ich will schreiben, ich will alleine sein. Ich will mal aus der Ferne für meine Familie schwärmen, damit ich mitten drin wieder Luft bekomme. Ich will ich sein. Am Ende prangten in meinem Kopf die leuchtenden Zeilen Unser (blöder, verkorkster, zerstückelter) Alltag ist ihre Kindheit! und Du bist eine schlechte Mutter! Jeweils mit drei Ausrufezeichen, einem anständigen Herzpiksen dabei und dem Gefühl, ich verrate jemanden.

Doch dann hat mich die selbst verordnete Atemlosigkeit des Mamaliebehochdreilebens an den Punkt gebracht, an dem ich in der S-Bahn sitzen bleibe, um meine Zeitschrift zu Ende zu lesen. 5 Stationen hin und wieder zurück und dann nochmal, weil ich noch nicht nach Hause will. An dem ich einen ausgewachsenen Wutanfall bekomme, weil es die T-Shirts der Kinder (mal wieder) nicht bis zum Wäschekorb geschafft haben; an dem das Müdesein schmerzt, ich Rücken habe und mich frage, wann wieder Pause ist von dieser komischen Alarmbereitschaft in mir; an dem sich freie Zeit mit dem Gedanken mischt, dass ich sie sinnvoll nutzen sollte und am Ende nur zerdachte Momente dabei herauskommen; an dem sich die harten Tage wirklich hart anfühlen und sich sogar die leichten Tage schwer machen; an dem sich der Mäuserich die blaue Hose nicht anziehen kann, weil sie blöd ist, und ich einfach mit heule, weil ich das ja so gar nicht verstehe und deshalb auch blöd bin. Und dann sitzen wir beide ganz still auf der Bank vor dem Haus und bekommen einen kalten Po.

Das war der Zeitpunkt, an dem mir klar wurde, dass das Muttersein etwas total Verrücktes ist. Voller Widersprüche, Anforderungen, Wünsche, Hoffnungen und Vorstellungen von dem, wie ich dabei sein soll. Und dass das kein Ende nimmt und mich zu einem Menschen macht, der ich nie sein kann. Weil alle alles anders machen und weil sich auch mein Bild vom Mamasein verändert. Mit dem Alter der Kinder, mit meinem Alter, mit den Jahreszeiten, mit neuen Begegnungen, mit der Sonneneinstrahlung, mit frischen Erdbeeren, Waffeln und Vanilleeis.

So. Was soll ich als dreifache Mama also Kluges dazu sagen? Ich finde ja selbst gerade erst heraus, welche Mama ich jetzt bin. Wie sich Loslassen, Zusammensein, Nirgendwohinwollen, Überallhinmüssen, Pläneschmieden, Morgenkreise, Kreisdenken, Schreibtischzeiten, Spielplatzwanderungen und Alltagsliebe für mich gut anfühlen. Wie der Familienalltag wieder Spaß macht. Wie ich meine eigenen Vorstellungen von mir als Mutter gehen lassen kann, um die Mutter zu sein, die ich bin.

Das alles finde ich im Schildkrötentempo heraus, durch Hinterfragen, Ausfragen und Ausprobieren. „Trial and Error“ sozusagen. Alle wahren Regeln anzweifeln. Runden ums Haus und im Park drehen. Für einen Gedanken stehen bleiben. Listen schreiben. Und Lesen, Lesen, Lesen. Dann alles wieder vergessen und nur das herausfiltern, was zu mir passt. Sei Ela.

Bei mir ist gerade manches im Fluss. Ich bin nachdenklich und ein bisschen durch den Wind. Die Antworten, die ich für mich finde, folgen in den nächsten Wochen.

Doch eines weiß ich heute schon: Ich bin die beste Mama, die ich für meine Kinder sein kann.

Das genügt.

Und am Ende wird es gut. Richtig, richtig gut.

April 2017 (und was ihn winterlich gemacht hat)

Was wir gemacht haben:
Viel zu viel. Finde ich. Kranksein, Müdesein. Immer noch. Ich versuche langsam zu sein. Das fällt mir auch gar nicht schwer, denn ich bin gerade langsam. Mein Energiehaushalt lässt nicht viel zu. Ich lebe im Schildkrötentempo. Das ist Mist, aber gleichzeitig auch eine gute Zeit. Irgendwie. Weil ich darüber nachdenken kann/muss, wie ich unseren Alltag ändern will, was mich fremd bestimmt, was mich Kraft kostet und wie ich mich selbst besser umsorgen kann. Das hat also alles auch etwas mit Vereinbarkeit und mit Happiness zu tun. Vielleicht mache ich daraus jetzt meine Blue-Turtle-Challenge.

Was mich beschäftigt hat:
Die Frage: Was brauche ich wirklich? Und damit meine ich die Dinge, die ich um mich habe, und auch die Gestaltung meiner Zeit. Ganz wichtig also gerade: Was brauche ich, um mich selbst besser zu fühlen, um Energie zu tanken, um überhaupt mehr Leichtigkeit und Freude in unserem Alltag zu verspüren? Und dann diese sogenannten wahren Regeln. Lebenswahrheiten, denen ich automatisch folge und die ich nie bewusst hinterfrage, was manchmal auch gar nicht so verkehrt ist, denn sie erleichtern mir alltägliche Entscheidungen. Manche von Ihnen sind aber nur scheinbar wahr. Sie gelten nur in mir als richtig und sind nicht immer hilfreich. Schon gar nicht, wenn ich mehr auf mich selbst acht geben will: Ich habe nie Zeit. Ich muss für meine Kinder immer da sein. Ich bin nur gut, wenn ich überall alles gebe. Was würde meine Mutter jetzt dazu sagen? Entscheide Dich fürs Arbeiten, wenn Du nicht weißt, was Du tun sollst. Erst die Arbeit dann das Vergnügen. Es könnte alles viel schlimmer sein. Ich sollte das einmal näher untersuchen. Ich lege ein Notizbuch dazu an. Jetzt fange ich damit an.

Familienleben:
Ostern im Schnee. Das war ungewöhnlich. Schnee auf den blühenden Magnolien und auf den blauen Hyazinthen in Omas Garten. Wir haben die Geschenke im Schnee gesucht. Leider hatten wir vergessen, dass sie nicht nur von unten abgedeckt werden müssen, denn das Schmelzwasser tropfte schon bald von den Bäumen und Büschen. Die Bücher habe es gut überstanden. Dann gab es da einige Momente, die Herzhüpfer verursachten. Nachdenkliche Momente des Mäuserichs: Mama, wenn man seinen ersten Wackelzahn verliert, dann ist man am Abend und am Morgen irgendwie total glücklich. Rumkuschelmomente mit der Maus und das herzhafte ih Bäh der Minimaus, wenn sie etwas nicht mag, die aber gerade eine große Blaubeerliebe hegt. Neue Hausschuhe in pink, die die Minimaus noch nicht tragen mag, Fragen nach dem Sinn von Teebeuteln und Kaffeefiltern, Hans im Glück im Kindertheater, ein Meisenpärchen im selbstgebauten Vogelhaus auf dem Balkon, letzte Schokoweihnachtsmänner im Kühlschrank (jetzt nicht mehr) und ganz viel Eis.

Sehr genossen:
Ein Ausflug mit dem Mäuserich ins HaSy-Konzert. Nur wir beide ganz allein. Kuscheln in der ersten Reihe. Das war so schön. Danach ein Spielplatzbesuch und ein Eis.

(Wieder) Gefundenes:
Das Gefühl, Zeit für mich zu haben. Ich hoffe, ich kann das später auch mit in den normalen Alltag nehmen.  My Little Box– weil es mir jeden Monat eine kleine Freude macht. Dieses Büchlein von Sachiko Umoto, mit dem ich jetzt das Tiere kritzeln übe. Diese App, mit der ich jetzt meine täglichen Ausgaben im Blick behalte und die mir auch problemlos ausrechnet, wieviel ich täglich zurücklegen muss, um eine Ausgabe zu einem bestimmten Zeitpunkt tätigen zu können.

Gerne gelesen und gesehen:
Das Happiness Project von Gretchen Rubin. So wahr, so lebensnah, so alltagstauglich. Daraus mache ich demnächst mein eigenes Projekt. Und Harry Potter. Wie toll, ihn wieder zu lesen. Dieses Mal mit meiner Maus und deshalb ist es auch so spannend, denn durch sie erlebe ich die Bücher von J.K. Rowling gerade noch einmal neu. Die 3. Staffel von Better Call Saul auf auf Netflix. Under-Dog Anwalt Jimmy will seine zwielichtige Vergangenheit hinter sich lassen und gerät immer wieder in Versuchung. In der dritten Staffel hat er sich mit seiner Anwaltskollegin Kim Wexler selbständig gemacht. Doch Jimmy wird immer wieder von einer Lüge eingeholt. Spannend, trotz des ruhigen und langsam voranschreitenden Plots, total sympathisch und mit der wunderschönen Rhea Seehorn als Kim.

Ins Herz gepikst:
Hat mich die Aussage: Ich habe die Vorstellung, wer ich gern sein würde, und das vernebelt mein Verständnis davon, wer ich wirklich bin (aus Das Happiness Project von Gretchen Rubin). Und die Aussage Ein Tag ist lang, ein Jahr ist kurz. Sehr berührt hat mich dieses Interview mit Sheryl Sandberg zum Umgang mit der Trauer nach dem Tod Ihres Mannes.

Sonst noch was:
Diese Geschichte über das Auflösen der elterlichen Wohnung. 
Dieser Kinderstuhl, der mir so gut gefällt und den ich gerne in unseren Flur stellen würde.
*Diese Wohnung.
*Dieses Haus im dänischen midcentury Design.
*My So-Called (Instagram) Life
*Diese Animationen zum Thema Illustrieren von Rachel Ryle.

Noch ein Letztes:
Wenn mir jemand sagen kann, wo es in Hamburg einen Workshop fürs Lettering und einen wirklich guten Kurs zu den Grundlagen des kreativen Schreibens (Plot, Spannungsbogen, liebenswerte Figuren, lebendige Dialoge, mitleiden- mitlachen) gibt….- das würde mich riesig freuen.

Und noch ein Allerallerletztes:
Wenn jemand einen Tipp hat, welche Parks oder Spielplätze wir mit den Mäusen in Hamburg noch besuchen können, wäre auch das ein kleines Happiness für mich. Wir leben zwar schon mehr als 15 Jahre in dieser schönen Stadt, aber ich kenne nur die handvoll Spielplätze in unserem Viertel.

 

Seid ganz herzlich gegrüßt.
Wir war euer April? Ich hoffe doch wunderbar.

 

 

 

 

Vereinbarkeit ist mehr als Teilzeit und KiTa-Platz

Laura von heuteistmusik.de ruft zur Blogparade mit dem Thema Vereinbarkeit auf. Und weil Vereinbarkeit im Hinblick auf meinen Beruf und drei Kinder natürlich auch bei mir ein großes Thema ist, schreibe ich heute mal darüber. Allerdings, und das muss ich schon einmal vorweg nehmen, habe ich gerade einen sehr lädierten Blick darauf.

Wo soll ich anfangen?

Mein Arbeitgeber ist einer von den Arbeitgebern, bei denen Familienfreundlichkeit nicht nur ins Personalportal geschrieben sondern tatsächlich gelebt wird. Deshalb habe ich schon viele Arbeitszeitmodelle ausprobiert: Ich habe mit einem Kind 50%, 75% und Vollzeit gearbeitet. Ich habe mit zwei Kindern 89% und Vollzeit gearbeitet, ich habe auch mal eine 4-Tage-Woche gehabt und ab dem dritten Kind meine 37 Stunden-Woche mit einem Homeoffice-Tag kombiniert. Immer unterbrochen von jeweils einem Jahr Elternzeit und mit der Garantie auf meinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Was soll ich sagen? Das ist der öffentliche Dienst! In den bin ich nach der Geburt des ersten Kindes durch einige glückliche Zufälle hinein geraten. Meine Vereinbarkeitsgeschichte ist also keineswegs eine Geschichte mit familienunfreundlichen Arbeitgebern oder fragwürdigen beruflichen Versprechungen.

Aber – und irgendetwas ist ja immer – meine Vereinbarkeitsgeschichte ist ein Märchen über gesellschaftliche und persönliche Erwartungen an mich als Mutter.

Für mich ist es im Moment die größte Herausforderung zu erkennen, welche Mama ich sein will und sein kann. Ich suche immer noch meinen Weg zwischen Vollblutmüttern, Müttern mit einem maximal 20 Wochenstunden-Job, freiberuflich arbeitenden Müttern und Müttern, die eine Karriere im klassischen Sinne meistern. Ich bin nichts von alledem. Ich liege irgendwo dazwischen. Ich bin die Mama, die eher zufällig als geplant im öffentlichen Dienst arbeitet; die nebenberuflich zwar promoviert aber keine leitende Position angestrebt hat; die Zeit mit ihren Kindern verbringen will, aber das bitte nicht den ganzen Tag oder jedenfalls mit ausreichend Pausen; die sich hin und wieder noch selbst spüren muss; die zwar an eine gleichberechtigte Aufgabenteilung mit dem Ehemann glaubt, aber sich trotzdem für alles verantwortlich fühlt; die ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn sie eine Stunde länger arbeitet oder gar einfach mal nach dem Bürotag spazieren geht, anstatt die Mäuse so schnell wie möglich aus der Kita abzuholen; die weiß, welche Termine die Kinder haben; die aber auch daran verzweifelt, wie wenig eigene Zeit bleibt. Ich könnte ewig so weiter schreiben.

Der schlimmste Satz, den man mir einmal gesagt hat war.: „Wozu habe ich Kinder, wenn ich sie gleich wieder abgebe.“ Der zweitschlimmste Satz war: „Unser Alltag ist ihre Kindheit“. Solche Phrasen setzen mich unter Druck. Im Grunde sind sie nutzlos und sagen gar nichts darüber aus, wie ich unser Familienleben gestalten und unseren Alltag austarieren kann, damit es uns allen gut geht. Trotzdem lassen sie mich nicht kalt.

Oh ja, auch für mich war es überraschend, dass ich erst jetzt nach 9 Jahren Muttersein dahinter komme, dass ich mich, meinen Beruf und meine Familie im Alltag nur vereinbaren kann, wenn ich den Einfluss von gesellschaftlichen Prägungen, unbewussten Glaubenssätzen, vorurteilsbehafteten Floskeln wie „So ist das eben als Mutter, das hast Du Dir so ausgesucht.“ und dem allgemeinen Tenor, dass Mütter gerne auf alles mögliche verzichten, hinter mir lasse. Und das ich genau das nicht tue.

Kurz gesagt: Meine Vereinbarkeit ist ein Gefühl.

Und dieses Gefühl hängt ganz eng am „psychologischen Betriebssystem“ (wie es so schön im Dossier der neuen Brigitte heißt, Nr. 10/2017) und das wiederum hängt ganz nah an den Geschlechterrollen, die wir tagtäglich -ja, immer noch – vermittelt bekommen. Und in dem Punkt befinden wir uns derzeit ganz klar in einem eher konservativen Aufwind. Das erlebe ich in meinem persönlichen Umfeld und das sagt auch die Wissenschaft (vgl. Report der Hans Böckler Stiftung). Willkommen zurück in den 50ern.

Dabei fing das mit dem Muttersein ganz vielversprechend an. Meine eigene Mutter war immerhin in Vollzeit berufstätig. Das klingt jedoch moderner als es war. Das damit verbundene Zähne zusammenbeißen und durchhalten ist nämlich auch nicht gerade erstrebenswert. Deshalb kann ich mich nicht so ganz davor verschließen, dass meine Vereinbarkeitsbemühungen letztlich in meinem unmittelbaren Umfeld enden, und zwar mit all den Anforderungen, die nicht zu meiner Berufstätigkeit passen und die mich mit drei Kindern stark ins Häusliche verschieben. Und weil ich weder das eine noch das andere bin (keine Mutter, die zu Hause sein will und keine Mutter, die ihren Beruf in den Mittelpunkt stellt), muss ich einen Weg irgendwo dazwischen finden.

Und den gibt es gerade nicht für mich: Ich kann nicht reduziert arbeiten, ohne als Teilzeit-Mama – wenn auch wohlwollend-  stigmatisiert zu sein; ich kann nicht die Kinderbetreuung zu meinem Lebensinhalt machen, ohne im Alter verarmt zu sein; ich kann nicht in Vollzeit arbeiten, ohne meine Kinder zu vermissen oder meine Kraft zu verlieren; ich kann nur schwer ignorieren, dass das Muttersein immer noch als die natürlichste meiner Aufgaben angesehen wird. Und als sei das nicht genug, ist da natürlich mein dauerhaft schlechtes Gewissen – irgendwie allem gegenüber, was ich nicht schaffe-  und die Tatsache, dass ich im Moment ratlos bin. Letztlich bin ich auch nur ein Mensch mit einem 24 – Stunden-Tag und einem begrenzten Energiehaushalt.

Und dem Mäusepapa geht es genauso. Wir sind zusammen müde. Und obwohl das  mit dem Kinderhaben ein verdammt schönes Abenteuer ist und ich natürlich einen Weg für mich finden werde, so hat sich doch eines inzwischen geändert: Wenn ich vor ein paar Jahren oder Monaten noch fröhlich, optimistisch daran geglaubt habe, dass Vereinbarkeit funktioniert, so bin ich genau jetzt in meiner persönlichen Vereinbarkeits-Sackgasse angekommen.

Teilzeitarbeit (egal ob vollzeitnah, ob 75 % oder „nur“ 50 %) , KiTa-Betreuung, Schulhort und eine egalitäre Aufgabenteilung zu Hause helfen mir einfach nicht darüber hinweg, dass die Ansprüche an Eltern (und Kinder) gewachsen sind, dass ich persönlich etwas anderes von mir erwartet habe als eingetreten ist und dass die Ideologie in Deutschland Mütter ganz klar bei ihren Kindern sieht. Da passt was nicht zusammen und ich kann das Puzzle gerade nicht legen. Vielleicht ist es auch eine Mom-Life-Crisis, wie es Nina alias Frau Mutter in ihrem Blog so treffend benennt. Nur leider führt mich meine Krise nicht dahin zu sagen, so ist es eben, ich gehöre jetzt zu denen, die sich über kindgerechte Kochrezepte und Sonderangebote in Drogerien austauschen. Das tue ich nämlich immer noch nicht. Aber ich habe mich weiter entwickelt, da hat Frau Mutter schon recht.

Trotzdem, der Alltag mit meinen Kindern lebt sich eben nur im Konkreten. Und konkret sieht es so aus, dass morgens nicht alles glatt läuft; dass mich der Alltag müde macht; dass in meinem Umfeld die meisten Mütter weniger als 30 Wochenstunden arbeiten; dass ich wegen meines Berufs nicht genauso viel an den schulischen Aktivitäten der Kinder teilhabe wie andere Mütter; dass ich nach der Arbeit keine Kraft mehr finde, um mich in alles einzubringen, was mir wichtig ist; dass es mir etwas ausmacht, im Büro als Teilzeit-Mutter zu gelten, obwohl ich immerhin 37 Wochenstunden arbeite; dass mir klar vor Augen steht, wie wenig Zeit ich für das finde, was mir auch noch wichtig ist und dass mir ab und zu jemand antwortet: „Das hast Du Dir doch so ausgesucht.“, sobald ich konstruktive Lösungswege aus dem Dilemma diskutieren will. Nein, das habe ich mir nicht ausgesucht. Wie auch? Ich hatte ja keine Ahnung, wie es als Mama so sein würde. Ich sehe das nicht so, dass ich Mutter geworden bin, um alles andere hinten an zu stellen. Ich möchte weiterhin Geld verdienen, unabhängig sein, mich um mich selbst kümmern dürfen und Hilfe dabei bekommen.

Aber klar, ich bin das Risiko eingegangen, nicht von Vornherein zu wissen, wie ich Kinder haben kann und mich gleichzeitig dabei gut fühle. Und nun habe ich den Salat. Die Realität drückt mir von allen Seiten Soße in die frischen Blätter und alles weicht auf.

Ich bin gerade furchtbar negativ, ich weiß.

Was ändern?

Ich suche meinen Weg. Ich bin an einem Punkt, an dem ich ganz alleine weiter gehen muss. Jedenfalls gefühlt. Ich nenne das meine Blue-Turtle-Challenge.

sea life. Watercolor sea turtle isolated on white background

Ich mag das Meer, ich mag Blau, ich mag Schildkröten (die hatte ich hier und hier ja auch schon mal am Wickel) und ich mag es, wenn die Dinge einen Namen bekommen, an dem ich mich festhalten kann. Blue Turtle heißt für mich, ich möchte langsamer durch mein Leben gehen. Ich möchte wieder mehr sehen und schrittweise herausfinden, was mir gut tut und wie ich meine Vereinbarkeitsgeschichte fortschreiben kann. Ich will vor allem, dass sich alles mit mehr Leichtigkeit füllt. Der Weg dahin wird nur in kleinen Schritten gangbar sein. Deshalb die Schildkröte….Ich gebe gerne Bescheid, sobald ich irgendwo angekommen bin.

Und gebt ihr mir Bescheid, wie ihr alles unter einen Hut bekommt?

Bücherstapel oder Wie hygge ich richtig?

Wer oder was ist eigentlich Hygge? Mit dieser Frage beginnt das zauberhafte Buch „Hygge“ von Meik Wiking. Ihr erinnert euch? Es lag schon lange vor Ostern auf meinem Bücherstapel, reiste auch schon eine Runde mit ins Nordseewochenende, aber bei meiner Oma habe ich es zu Ostern endlich lesen können. Und nun weiß ich es. Ganz klar. Hygge ist ein Lebensgefühl und hat ganz viel mit Glück zu tun. Deshalb ist der Autor Meik Wiking auch niemand anderes als der CEO des Kopenhagener Instituts für Glücksforschung. Und weil die Dänen statistisch gesehen als eines der glücklichsten Länder weltweit gelten, passt das gleich doppelt gut. Denn wer könnte uns besser erklären, was Hygge nun ist und was dieses Lebensgefühl ausmacht als ein dänischer Glücksforscher?

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Der März 2017 (und was ihn zum glitzern brachte)

Familienleben: 
Diese Müdigkeit im Urlaub, die auch danach nicht verschwunden ist. Sie steckt gerade in meinem Kopf und auch in meinem Herzen. Ich bin etwas zerschrabbelt vom blöde Mama sein, die liebste Mama sein, von diesem nie etwas ganz zu Ende machen können, vom Anstubsen mit dem Zeigefinger Du Mama, weißt Du?, vom Durchdenken, Ausdenken, zu Ende denken, vom ängstlich sein, vom wunschvoll sein, von meinem Schokolade- und Sinnmach-Hunger, von dem Gefühl, immer zu viel zu tun. Und zu wenig. Beides gleichzeitig. Von den vielen winzig kleinen Pinselstrichen, aus denen sich der Familienalltag zusammensetzt und die man nur sieht, wenn man ganz dicht dran steht. So dicht, dass einem die Augen flirren.
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