Die beste Mama, die ich sein kann

Das Thema Vollzeitmutter/Teilzeitmutter kursiert gerade wieder auf den Familienblogs. Auch ich habe schon sooooooo viele Gedanken dazu gehabt (und in meinem Blog darüber geschrieben, immer mal wieder). Der Mäusepapa hat nur einen Bruchteil solcher Gedanken. Seine Rolle als Vater ist ihm irgendwie klar. Jedenfalls klarer als mir das Muttersein. Na gut, ich bin immerhin seit 9 Jahren Mutter. Das müsste im Grunde ausreichen, um sich ein Bild davon zu machen. Von mir als Mutter. Tatsächlich war es genügend Zeit, um einige Entwicklungssprünge durch zu machen. Damit meine ich meine eigenen. Von OMG, ich gehöre zu meinen Kindern nach Hause! bis hin zu Ich halte das nicht aus, ich will arbeiten! ist schon alles dabei gewesen. Denn mit einem habe ich nicht gerechnet als ich Mutter wurde. Das mich das so überwältigt und gleichzeitig verunsichert.
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Zum dritten Mal U7, doch dieses Mal bleibt die Liste leer.

Wir haben die dritte -und in meinem Leben wohl letzte- U7 (Vorsorge-Untersuchung um den zweiten Geburtstag herum) beim Kinderarzt absolviert. Das heißt, die Minimaus hat´s gemacht. Ich war nur Statistin zum Halten, Trösten und Tragen. Und weil bei uns mit jedem letzten Mal immer auch ein „Weißt du noch damals beim Mäuserich?“-„Ja, Mhm, seufz.“-„Und weißt Du noch bei der Maus?“-„Oh,ja“ einhergeht, muss ich hier darüber schreiben:

Die Minimaus wollte nicht gewogen werden. Natürlich nicht. Das wollte bisher keines meiner Kinder. Irgendwie haben wir es doch geschafft. Ich war mit auf der Waage. Und dann wurden meine Kilos – ähm, Hüstel – abgezogen. 9,9 kg wiegt die Minimaus jetzt also. Über mein Gewicht schweige ich. Beim Messen wurde es noch einmal schwieriger.  Aber dass sie immer noch Kleidergröße 80 trägt, bestätigte uns, dass die ganz schnell gemessenen 79 cm wohl stimmen mussten.

Minimaus ist im Vergleich wirklich mini, aber die Wachstumskurve geht nach oben.

Sie wächst also doch.

Und das Gewicht passt zu ihrer Größe. Seit dem Termin hat sie nun auch noch ein paar Gramm zugelegt. Sie wird allmählich mopsig.

Das bedeutet, es ist alles in Ordnung. 

Nur die Liste mit den Worten, die Minimaus schon sprechen kann, blieb leer.

„Mama“ und „Papa“ steht gar nicht erst darauf -das können sie in dem Alter wohl alle?- und für alles andere hat die Minimaus noch keine Worte. Minimaus sagt auch nur manchmal „Mama“ und das eher als Beschwerde, wenn etwas nicht gut läuft. Wenn sie gewickelt wird zum Beispiel. Oder wenn sie baden soll. Ganz, ganz selten erwähnt sie den“Papa“.  Er ist in unserem Alltag genauso präsent wie ich. Aber für ein Kreuz auf der Wörterliste hätte es sowieso nicht gereicht. „Nane“ war eine Eintagsfliege. Und ich bilde mir wahrscheinlich nur ein, dass Minimaus zum Abschied „Deich“ sagt. Wir sagen oft „Bis gleich„. Nun winkt sie neuerdings und sagt so etwas wie „deich“ bevor sie zur Tür hinaus und ins Spielzimmer verschwindet. Das begann allerdings erst nach der U7 und wurde daher noch nicht berücksichtigt.

Ansonsten macht sich die Minimaus anders verständlich. Sie zeigt auf etwas und sagt „Äh“ oder „Da„, schüttelt zerknirscht den Kopf oder nickt freudestrahlend. Sie guckt beleidigt oder lacht oder weint. Sie trampelt, schimpft oder zieht an unseren Armen, wenn sie etwas möchte. Sie nimmt unsere Hand und zieht uns ins Schlafzimmer, wenn sie müde ist und sie deutet auf die Schnullerbox, wenn ein Schnuller nötig ist. Das funktioniert alles ausgezeichnet.

Sie sagt uns alles klar und deutlich. Nonverbal.

Ich befürchte, die Motivation zum große Reden schwingen ist bislang nicht groß. Es bestand dafür wohl keine Notwendigkeit. Auch ihre Geschwister verstehen sehr gut, was sie gerade möchte oder was sie eben nicht will. Dennoch haben wir den beruhigenden Eindruck, dass sie gut hören kann. Der Schlüssel im Türschloss wird genauso mit Aufmerksamkeit bedacht wie Papas Stimme vor der Wohnungstür, das Rauschen der vorbeifahrenden S-Bahn oder das Bellen eines Hundes vor dem Fenster.

Unser entspannter Kinderarzt gewährt der Minimaus deshalb noch ein halbes Jahr. Bis dahin sollten es jedoch deutlich mehr Worte werden. Anderenfalls müsse man dem nachgehen. Ein Spezialist würde jedoch auch noch abwarten.

„Wir haben noch keine Eile.“

Zu meiner Erleichterung kommen langsam einige Worte dazu: So etwas wie „eddi“ für ihren „Teddy“ und auch für alle Puppen. „Papa“ ist jetzt mit „Mama“ gleich auf und „Deich“ sagt sie inzwischen jedes Mal zum Abschied. Mehr ist es leider noch nicht geworden. Die Minimaus tanzt zwar gerne, aber von ganzen Liedzeilen oder Zwei – und Drei-Wort-Sätzen sind wir noch weit entfernt. Maus und Mäuserich waren hingegen früh dran damit. Und wäre ich selbst nicht auch so ein Spätzünder gewesen, der erst mit drei Jahren gesprochen hatte (dann auch in ganzen Sätzen), würde ich mir jetzt Sorgen machen.

So jedoch übe ich mich erst einmal in Geduld und hoffe auf baldige Fortschritte.

 

Wir haben es getan…

… und sind ein Wochenende lang ohne Kinder verreist. Wir waren in Kopenhagen, bei allerbestem Regenwetter und mit einer ungemütlichen Erkältung im Gepäck. Aber das war uns egal, denn wir haben es geschafft.

Wir haben ein verlängertes Wochenende ohne Kinder erlebt.

An unserem 10. Hochzeitstag. Juchhu!!!

Und dabei kein bisschen, nur ein wenig, na gut – nur ab und zu über die Kinder geredet.

Was soll ich sagen?

Es war schön.

Das Hotel war „very nice“. Das Frühstück war ein Traum und das Wetter hielt sich hartnäckig mit Dauerregen und dichter Wolkendecke.

autumn landscape city woman umbrella rain puddles of yellow trees

Was soll´s? Endlich mal allein.

Wir sind mit unseren Regenschirmen durch die Stadt gebummelt, haben die hübschen „Designbutikker“ durchstöbert und einmal den Tivoli umrundet. Wir  waren Kaffee trinken, mehr als einmal in Ruhe essen und ganz viel spazieren.

Sogar die kleine Meerjungfrau habe ich mir zusammen mit 20 anderen Touristen bei einsetzendem Sprühregen mit schnellem Übergang zum kräftigen Schauer angesehen und wurde durch Zufall auch noch Zeugin einer Wachablösung vor Amalienborg.

 

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Ansonsten haben wir uns ausgeschlafen, spät gefrühstückt, uns mit einem Buch am späten Nachmittag ins Bett gekuschelt und uns über die Stille gefreut.

Bei uns in Kopenhagen war es also vollkommen langweilig.

Viel spannender hingegen lief es in der Zwischenzeit zu Hause ab. Die Oma hat seit Donnerstagmittag auf Maus, Mäuserich und Minimaus aufgepasst und am Freitag ist die Mäusetante wie verabredet zur Hilfe geeilt. Gemeinsam haben sie Schnupfnasen bekämpft, Elternweh weggetröstet, neue Konstellationen beim Zubettgehen ausprobiert (Maus und Minimaus mit der Oma in einem Bett; die Tante mit Maus und Minimaus in einem Bett; Maus, Mäuserich und Minimaus mit der Tante in einem Bett, die Oma im Bett des Mäuserichs; am Ende hat die Maus die Minimaus ins Bett gebracht und der Mäuserich ist nachts dazugekommen); das ganze Wochenende nicht gebadet; dafür aber das Miniaturwunderland, die Elbphilharmonie und den neuen Rewe von innen gesehen; einen Spielplatz besucht; gemeinsam gekocht und die Wogen nach mehr als einem kindlichen Wutausbruch wieder geglättet.

Alle haben es überlebt.

Ich finde, das hört sich gaaaaanz prima an.

Das machen wir jetzt öfter.

Ich bin eine Yoga – Kuh…

Heute war ich wieder zum wöchentlichen Baby-Yoga. Genauer gesagt ist das mein Rückbildungsyoga mit Baby. Ich mag den Kurs und auch heute war er wieder wohltuend für meinen Rücken, meinen Beckenboden und meine Nerven, denn mir ist klar geworden…Ich bin eine Kuh…

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Vielleicht sollte ich etwas weiter ausholen und das erläutern. Wir haben am Ende der Yogastunde immer einen kleinen Gesprächskreis. Jeder oder besser jede kann sich Rat einholen oder einfach nur mal berichten, wie es ihr geht. Heute hat unsere Kursleiterin ein paar Holztiere in die Mitte des Raumes gestellt und uns aufgefordert, uns das Tier zu nehmen, dem wir uns gerade am nächsten fühlen. Mich hat eindeutig die Kuh angesprochen. Nicht nur, dass sie Milch gibt wie ich gerade. Sie ist auch so geduldig, ruhig, entspannt und duldsam, wie ich es mit einem Baby momentan sein sollte. Ob es im Innersten der Kuh immer so gemütlich aussieht, wie sie nach außen scheint, weiß ich nicht. Ich fühle mich auf jeden Fall sehr kuhmäßig und gebe mein Bestes, dass ich für Minimaus noch eine Weile so sein kann – weich, gemütlich, geduldig, ruhig und lecker.

Erfahrungsgemäß fühlt man sich als Eltern je nach Phase einem anderen Tier nahe. Mal sehen, wann ich in den Kamelstatus komme – lange Strecken mit wenig auskommen, das Ziel noch nicht in Sichtweite und viel geben.

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MontagsGrübelei

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Es war nur ein Film. Ich kann diese Szene trotzdem nicht vergessen. Sogar nachts, wenn ich aufwache, habe ich oft dieses Bild im Kopf. Es ging um den Holocaust. Die Menschen wurden aus ihren Häusern auf einen Sammelplatz getrieben. Eine Mutter hat ihr Baby im Arm und weint die ganze Zeit: „Warum habe ich das getan? Warum habe ich das getan?“. Ihr Mann steht schweigend und hilflos daneben bis jemand genervt ruft, sie solle endlich still sein. Da erzählt er, dass sie unbeabsichtigt und aus Angst ihr Baby erstickt hat, weil sie es im Versteck zum Schweigen bringen wollte.

Gestern hatten wir Kaffeebesuch und uns über Großväter unterhalten, die den Krieg mochten. Unser Besuch hatte so einen Großvater und mein Mann auch. Ich kann das nicht verstehen. Keiner von uns kann das. Ich hatte einen Urgroßvater, der verständlicherweise Angst hatte vor dem Krieg. Er wurde noch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wegen Desertation hingerichtet. Ich habe seinen letzten Brief an die Familie einmal gelesen und meine Oma liest ihn noch oft, sehr oft. Ich glaube, sie hat ihren Vater ihr Leben lang vermisst. Wir haben gestern bei Kaffee und Keksen darüber und über unsere Vorfahren gesprochen, die in dieser Zeit ihre Heimat verloren hatten. Ich hatte sofort wieder diese Filmszene vor Augen.

Ich weiß, dass ich nicht ansatzweise nachfühlen kann, wie es den Müttern und Vätern ging, die solche Grausamkeiten erlebt haben. Ich habe diese Bilder auch ohne Kinder schon schwer ertragen. Seit ich Kinder habe ertrage ich sie gar nicht mehr. Ich bin durchlässiger geworden, mein Schutzschild fehlt. Nachrichten, Filme und Geschichten, in denen Kindern etwas angetan wird, halte ich schlicht nicht mehr aus. Auch wenn sie fiktiv sind.

Ich denke dann jedes Mal an all diese Kinder, die keine Zukunft mehr hatten. Deren Leben noch gar nicht richtig begann und wie willkürlich und grausam es beendet wurde. Und ich denke an Kinder, wie meine Oma es damals war, die ihre Eltern verloren haben und ohne sie groß werden mussten. Wer hält das schon aus?

Wenn ich meine Oma ansehe, weiß ich, dass sie diesen Teil ihres Lebens nie vergessen hat. Wenn ich meine Minimaus dann ansehe, weiß ich, wie gut wir es haben. Das darf ich niemals vergessen.