Bücherstapel im Mai

Ich habe hier noch einen Bücherstapel liegen, denn ich euch endlich einmal vorstellen möchte. Deshalb schreibe ich jetzt auch gar nicht viel drum herum, sondern fange sofort an (Bücher auf dem Bild von oben nach unten):

*Amt für Mutmaßungen von Jenny Offill
Dies ist eines der Bücher, bei denen ich verstehen, kann, warum es als „blitzgescheit und hintergründig“ beschrieben wird und in dem ich trotzdem mittendrin stecken geblieben bin. Irgendwo zwischen den Alltagsfragen einer frisch gebackenen Mutter und der Suche nach einem neuen Haus, mochte ich nicht mehr weiterlesen. Wahrscheinlich zu Unrecht, denn das Buch greift ganz schön große und gleichzeitig auch alltägliche Themen auf:

Um die Liebe geht es darin, um die Ehe auch, und um das Familiesein und Kindhaben und darum, was die Zeit und das Kind aus einem Liebespaar so machen – es geht um Schlafmangel, Treue, Liebe im Alltag und die kleinen Fluchten aus alledem hinaus und hinein in Themen wie Sternenfahrten, Meeresforschung und Philosophie. Das Buch ist voll von den klugen Gedanken einer jungen Frau und gespickt mit Zitaten von Kafka, Keats und Einstein. Keine Frage, die Geschichte dieses jungen Elternpaares ist -wie aus der Presse zu entnehmen ist – ungewöhnlich erzählt. Das ja.

Aber, es liest sich nicht so einfach hintereinander weg. Ich habe auch nach den ersten 68 Seiten noch keine Vorstellung von den Hauptfiguren und ich kann nicht sagen, ob ich sie besonders leiden mag. Das wäre ja noch kein Grund, nicht weiterzulesen, aber auch im Übrigen fesselt oder berührt mich das Buch leider nicht. Ich wünschte, es wäre anders.  Mal sehen, vielleicht gebe ich ihm später noch mal eine Chance. Und vielleicht geht es euch damit anders.

9783328100829_CoverPenguin Verlag, Taschenbuch , 165 Seiten , € 9,00

*Gestorben wird immer von Alexandra Fröhlich
Und hier nun ein Buch, dass ich ganz gerne gelesen habe: Agnes Weisgut ist 91 Jahre alt und führt seit Jahrzehnten den Steinmetzbetrieb Weisgut & Söhne in Hamburg. Am Ende ihres Lebens will sie endlich reinen Tisch machen. Sie hat der Familie etwas zu sagen und deshalb fordert sie ihre Enkelin Birte auf, die ganze Familie zu einem Treffen nach Hamburg zu holen. Das allerdings ist gar nicht so einfach, denn sie alle haben Agnes ein lebenslang als kalt und streng empfunden und wollen nichts weniger gern tun, als Agnes zu besuchen. Zwei von Agnes‘ Söhnen sind zudem derart zerstritten, dass sie seit Jahren kein Wort mehr miteinander gewechselt haben. Martha, Agnes Tochter, ist verschwunden und gilt als verrückt. Doch auch sie soll auf Agnes Wunsch hin kommen und sich anhören, was die Mutter ihnen nach all den Jahren zu sagen hat. Widerwillig sagt Birte ihrer Großmutter zu, alle zum Kommen zu bewegen, denn eines möchte sie ebenfalls brennend gerne wissen: Was ist aus ihrer Mutter Martha geworden?

Dieses Buch ist in einem leichten, teilweise sogar humorvollen Tonfall erzählt. Es liest sich daher sehr gut. Das täuscht jedoch nicht darüber hinweg, dass es um anrührende und schmerzhafte Erinnerungen und Familiengeheimnisse geht, die mit Hass, Tod und Verlust zu tun haben. Die Geschichte führt uns durch drei Generationen hindurch in die Vergangenheit der Familienmitglieder bis in den 2. Weltkrieg hinein. Über die verschiedenen Erzählperspektiven von Agnes und Birte taucht man hautnah in die jeweilige Erlebnisse der Figuren ein und erfährt so auf verschiedenen Zeitebenen häppchenweise von den tatsächlichen Ereignissen in der Familie. Durch Birtes wunderbar trockenen Humor, wird die Handlung zudem immer wieder aufgelockert , so dass man als Leser nicht die ganze Zeit in den herzergreifenden Schicksalen der Familienmitglieder versinkt.  

Kurz gesagt: Dieses Buch ist ein Familienepos über drei Frauengenerationen und birgt jede Menge Geheimnisse, die ich hier nicht erzählen möchte, für den Fall, dass es noch jemand lesen will. Mir hat es gut gefallen. Aber ich gebe zu, ich war auch in der passenden Stimmung für eine lange, dramatische und bewegende Familiengeschichte.

Penguin Verlag, Paperback, 333 Seiten, €13,00.

*Die Perlenfrauen von Katie Agnew
Diesen Wälzer habe ich mir auf Empfehlung meiner kleinen Schwester gekauft. Sie hat mir berichtet, es ginge um eine junge Frau namens Sophia. Deren Großmutter, die Schauspielerin Tilly Beaumont, bekam zu ihrem 18. Geburtstag im Jahre 1947 eine atemberaubend schöne Halskette geschenkt. Das Schmuckstück begleitete sie durch ihre erfolgreiche Karriere hindurch und zierte ihren Hals auf den glamourösesten Partys – bis sie auf einmal spurlos verschwand. „Jahre später bittet sie nun ihre Enkelin Sophia, die Kette zu finden. Sophia hat gerade schmerzlich erfahren, dass man mit gutem Aussehen und dolce vita allein keine Rechnungen bezahlen kann. Die wertvolle Perlenkette könnte nun einige ihrer Probleme lösen. Aber was sind die eigentlichen Gründe für Tillys Auftrag? Und wie soll Sophia ein Erbstück finden, das sie noch nie gesehen hat?“

4 Frauenleben und deren Geheimnisse werden spannend miteinander verknüpft. Die losen Enden verweben sich im Laufe der Erzählung miteinander. Meine Schwester meint, man brauche allerdings eine Weile, bis alles einen Sinn ergibt und die Geschichte Fahrt aufnimmt. Trotzdem, ein Schmöker, der unter die Haut geht. So lautet das Fazit meiner Schwester. Ich freue mich aufs Lesen.

Heyne Verlag, Taschenbuch, 560 Seiten, € 9,99.

*Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstandes von Salvatore Basile
Einer meiner Lieblinge in diesem Stapel. Beginnt dieses Buch nicht zu lesen, wenn ihr nicht die Möglichkeit habt, es in einem Rutsch zu schaffen. Es wird euch schwer fallen, es wieder aus der Hand zu legen. Mir ging es jedenfalls so. Die Geschichte von Michele hat mich von der ersten Seite an nicht mehr los gelassen: Er musste als siebenjähriger Junge miterleben wie seine Mutter die Familie verlässt und führt als inzwischen 30jähriger Erwachsener ein ganz eigentümliches Leben in einem verschlafenen Ort in Italien. Er lebt in dem kleinen Eisenbahner-Häuschen, in dem er groß geworden ist. Nach dem Tod seines Vaters hat er dessen Job als Bahnhofswärter bei der Bahn übernommen und kümmert sich um den einzigen Zug, der einmal täglich hier startet und abends wieder endet. Jeden Abend dreht Michele seine Runde durch den leeren Zug und sammelt alles ein, was die Reisenden vergessen haben. All diese Gegenstände bewahrt er in seinem Zuhause auf. Sie sind seine einzigen Gefährten, denn Michelle meidet den Kontakt zu Menschen. Er will nicht mehr enttäuscht werden.

Eines Abends nun steht plötzlich Elena in seinem Haus. Sie hat etwas im Zug vergessen und möchte es sich von Michele zurück holen. Elena wirbelt Micheles Einsiedlertum auf einen Schlag durcheinander und öffnet in Michele eine lang verschlossene Tür. Und dann findet er auch sein altes Tagebuch im Zug wieder. Das ist so unglaublich, dass er sich auf die Suche macht…. Nach seiner Mutter und auch nach sich selbst und seinem Leben.

Micheles Welt ist ganz zauberhaft und das Buch hat mich sofort eingefangen. Am liebsten wäre ich hineingestiegen und hätte Michele einmal herzhaft in den Arm genommen. Sein Versuch, die alten Verletzungen nicht mehr an sich heran zu lassen, berührt mich sehr. Dennoch versprüht die Geschichte unglaublich viel Hoffnung: Auf Micheles Weg durch Italien begegnet er vielen Menschen, von denen er einiges lernen kann. Sie erzählen ihm von der großen Liebe, großen Enttäuschungen, Verlust und Hoffnung, alles liegt in dieser Geschichte so eng beieinander.

Die Erlebnisse und Geschichten der einzelnen Personen verwebt Salvatore Basile so fein miteinander, dass es Spaß macht, sie zu lesen. Auch wenn das Buch an manchen Stellen etwas langatmig wird und manche Konstellationen ein wenig konstruiert wirken. Letztlich erzählt Basile von Micheles (manchmal auch nur flüchtigen) Bekanntschaften so anrührend, dass ich sie alle in mein Herz geschlossen habe und dem Autor ein paar Schwächen im Plot verzeihen kann. Sehr gern sogar.

Ein tolles Buch, hoffentlich schreibt Basile bald ein zweites.

Blanvalet Verlag, Paperback, 352 Seiten, € 19,99.

*Und ganz unten auf dem Stapel liegt immer noch Penguin Bloom von Cameron Bloom.
Ich sehe es mir immer mal wieder an. Tolle Bilder, aufwühlende Geschichte. Näher vorgestellt, hatte ich es euch ja neulich schon. Wer mehr dazu wissen will, kann gerne hier weiterlesen.

Und, was lest ihr gerade so?

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