Ich bin ein Coachee oder Was am Ende auf dem Flipchart steht

Mein Coach ist prima. Sie hat beruflich eher mit Managementfragen und Personalentwicklung zu tun und coacht „nur“ nebenberuflich Mütter. Ihre Professionalität kommt mir allerdings entgegen, denn wir arbeiten mit Dingen wie
Flipcharts und Fragebögen zu Motivation und Antreibern, wir entwerfen Zeitpläne zu meinem Alltag als berufstätige Mutter und malen Zukunftsvisionen mit Edding auf A3 – Bögen. Das Strukturierte daran mag ich.

Was bisher dabei herausgekommen ist?

Ich weiß es nicht genau.

Okay, es wird mir schon einmal gut tun, alle drei bis vier Wochen für 1,5 Stunden eine Plattform zu haben, bei der es nur um mich und meine Befindlichkeiten geht. Ich bekomme Zeit, um mich zu sortieren. Ich habe zudem festgestellt, dass es manchmal nur darum geht, sich der Abläufe im Alltag bewusst zu werden und an einigen Stellen die Aufgabenteilung auch anzunehmen. Seit meinem ersten Coaching-Termin kümmere ich mich beispielsweise nicht mehr um die Küche und um die Dinge, die mein Mann in unserem Haushalt übernommen hat. Und das tut mir gut. Ich habe dadurch nicht mehr das Gefühl, an alles denken zu müssen und kann jetzt eine unaufgeräumte Küche komplett ignorieren. Irgendwann im Laufe des Abends oder des nächsten Morgens ist die Küche wieder schön. Das weiß ich jetzt.

Ich bin inzwischen auch so weit, das Spielzimmer nicht mehr jeden Tag aufzuräumen. Wenn mich das Durcheinander nervt, schließe ich die Tür. Und wir nehmen uns am Wochenende regelmäßig für 2-3 Stunden gegenseitig die Kinder ab. Und zwar nicht nur dann, wenn etwas so wichtiges zu erledigen ist wie Regal anbauen oder Keller aufräumen sondern auch fürs Shoppen, Lesen oder Nichtsstun.

Das sind Kleinigkeiten, aber es stimmt:
Oft geht es „nur“ um die eigene Einstellung und die gegenseitige Erwartungshaltung.

Und…

…mein Coach hat aus mir herausgekitzelt, dass es da ein Thema gibt, das mich mehr beschäftigt als ich annahm.

Ein 4. Kind.

Ich war in dem Glauben, da sei ein klares NEIN in mir. Und so ist es auch.

Dennoch hat mich dieses NEIN beschäftigt.

Vor allem hat mich beschäftigt, wie ich es dem Mäusepapa sagen soll.

Und deshalb haben wir das Thema beim Coaching quasi eingeschoben – zwischen die Themen Zukunftsvision, unbewusste Antreiber und persönliche Zeitfenster – und gedankliche pro und contra-Listen geschrieben. Sie hat mir kluge Fragen dazu gestellt und wir haben verschiedene Optionen durchgesprochen: Was wäre mit einem größeren Altersabstand zwischen dem dritten und vierten Kind? (Geht nicht, weil ich schon 41 bin.) Würde ich mit vier Kindern grundsätzlich weniger arbeiten wollen? (JA) Habe ich den Traum von einem Haus im Grünen? (NEIN) Übernimmt der Mäusepapa dieses Mal die Elternzeit? (Das würde er sogar machen.) Was würden wir verpassen, wenn es kein viertes Kind gebe? Was würden wir nicht verpassen, wenn es kein viertes Kind gebe?…

Mehr Zeit für mich habe ich durch das ALLES immer noch nicht.
Aber es geht mir besser. Und das ist doch schon mal etwas.

Im nächsten Termin wird es wieder um meine Fernziele gehen.
Wie soll mein Alltag im Jahr –Ähm mhm, sagen wir – 2019 aussehen?
Und welche Hürden und Stationen gibt es auf dem Weg dorthin?

Ich bin schon einmal gespannt, was am Ende auf dem Flipchart steht.

 

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