J´adore cette baguette

Hppchen

Nach der Lektüre des wundervollen Buches von Pamela Druckerman „Warum französische Kinder keine Nervensägen sind“  kann ich thematisch aus dem Vollen schöpfen. Es gibt eine Menge Denkanstöße darin. In einem der Kapitel berichtet die Autorin, dass sie an einem gemeinsamen Wochenende bei einer Freundin beobachtet habe, wie diese sich bei ihrem Mann für das Einkaufen des Frühstücksbaguettes mit den Worten bedankt:

 „J´adore cette Baguette“ (Ich liebe dieses Baguette).

Dieser Satz drückt ehrliche Zuneigung zu ihrem Mann aus. Und ich habe mich genauso wie Pamela Druckerman gefragt, ob es bei mir und dem Mäusepapa noch solche
„J´adore cette baguette“ – Momente gibt. Wie ist das mit unserer Beziehung und den  gegenseitigen Freundlichkeiten seitdem die Kinder da sind?

Ich gebe zu, im Alltag mit drei Kindern hört der Mäusepapa von mir nicht oft verliebte Worte. Höflichkeiten schon, aber nicht dieses überschwänglich Bewundernde. Er bringt mich morgens am Frühstückstisch auch nicht dazu zu sagen:

„Ich liebe diese Aufbackbrötchen!“ oder „Der Kaffee schmeckt heute besonders lecker, weil Du ihn aufgebrüht hast.“.

Ich brummele da schon eher verschlafen so etwas wie: „Wer macht den Proviant fertig?“ oder „Sind die Aufbackbrötchen schon im Ofen?“. Wenn ich lieb sein will, dann sage ich auch mal etwas wie: „Schatz, schmierst Du der Maus heute das Brot?“ oder „Bist Du so nett und holst noch einen Löffel?“. Wir vergessen im Familientrubel gerne mal, dass es uns irgendwann früher nur als Paar gegeben hat und dass wir vor langer, langer Zeit auch viel mehr Energie darin investiert haben, uns schön zu machen, gut anzuziehen  und aus zu gehen. Heute gehen wir selten ohne die Kinder vor die Tür und wenn, dann haben wir uns hastig zurecht gemacht, damit der Babysitter seine Arbeit beginnen kann und wir uns ohne viele Tränen aus dem Staub machen können. Im Restaurant angekommen, sind wir beide müde und bestellen erst einmal einen Kaffee, danach einen Wein und irgendwann kommt etwas Schwung in die Sache. Oft wird der Abend dann auch noch ganz lustig und wir genießen ihn. Manchmal jedoch bleibt die Müdigkeit und wir gehen früh nach Hause, um einfach zu schlafen. Selten ist der Abend ein Desaster, aber oft können wir gar nicht so schnell vom Elternsein aufs Paarsein umschalten und unterhalten uns dann doch über die Kinder, den Alltag und was uns gerade so beschäftigt. In Ruhe reden tut gut. Aber manches Mal denke ich, wir haben gar keine anderen Themen mehr als unseren Familienalltag. Es ist ganz klar, uns fehlt Zeit zu zweit und uns fehlen diese „J´adore cette Baguette“ – Momente.

Was können wir dagegen tun? Öfter ausgehen? Den Babysitter noch mehr einspannen? Die Oma öfter engagieren? Das machen wir schon ab und zu und -ganz ehrlich- die Mäuse sind den ganzen Tag in der Kita und in der Schule. Wir möchten sie nach der Arbeit und am Wochenende um uns haben. So wird das allerdings nichts mit der Zweisamkeit. Und die Franzosen sehen das schon ganz richtig, wenn sie sagen, Eltern müssen auch ein Paar bleiben können. Der Mäusepapa sagt selbst, dass wir beide die Basis unserer Familie sind. Wir sind der Ursprung und der Kern des Ganzen, ohne uns zusammen funktioniert das Familiesein nicht.

Der Mäusepapa und ich sind uns des Dilemmas durchaus bewusst: Wir haben viel zu tun, wenig Zeit und wenn wir Zeit haben, dann verbringen wir sie auch ganz gerne mal alleine – jeder für sich. Ich denke, unsere Ehe hat bislang auch deshalb drei Kinder, wenig Zeit für eigene Interessen und den Alltagsstress ausgehalten, weil wir beide gut alleine sein können. Sind die Kinder im Bett, gehört die Zeit uns. Wir lesen oder sehen einen Film, wir kochen etwas und essen – aber getrennt. Das hört sich vielleicht nicht danach an, aber wir genießen es. Jeder kann seinen eigenen Wünschen und Launen folgen. Manchmal trinken wir ein Glas Wein zusammen und unterhalten uns. Meistens jedoch nimmt jeder sein Glas mit in ein Zimmer und liest für sich alleine oder schreibt Emails oder telefoniert. Ich glaube fast, Zweisamkeit wird überschätzt. Bei uns hat es jedenfalls mehr Anspannung gegeben als  wir uns noch krampfhaft bemühten, die Abende gemeinsam zu verbringen. Seitdem jeder seiner Wege geht, ist es entspannt. Und dabei haben wir uns viel zu sagen, sind auch gerne zusammen und können uns ein Leben ohne einander nicht vorstellen. Wir funktionieren im Alltag als Team auch ausgesprochen gut. Aber die Abende gehören uns Erwachsenen, jedem für sich alleine. Wenn wir das Gefühl haben, wir müssten mal wieder reden oder etwas zusammen unternehmen, dann tun wir das natürlich. Aber es ist nicht automatisch so, dass der Abend gemeinsam gestaltet werden muss. Für uns ist es richtig so.

Dennoch, ich denke schon auch an die „J´adore cette baguette“ – Momente. Die soll es bei uns wieder öfter geben. Dafür müssen wir uns klar machen, dass uns der andere viel bedeutet, dass die meisten Streitigkeiten nur aus Müdigkeit und Stress entstehen und dass wir wieder mehr Leichtigkeit in den Alltag transportieren sollten. Das wird uns auch gelingen, denn ich kenne das Geheimnis dafür. Ich habe zum einen schon die Erfahrung gemacht, dass genau diese Leichtigkeit wieder kommen wird und zwar dann, wenn die Minimaus etwas älter ist. Mit jedem unserer Kinder wurde das Familienleben spürbar entspannter als sie zwei/drei Jahre alt wurden. Zum anderen weiß ich, was der Mäusepapa gerne mag (selbst gebackenen Kuchen am Wochenende, liebe Worte und kleine Geschenke – alles verrate ich hier natürlich nicht) und wie ich mit ein paar kleinen Änderungen im Alltag, genau solche Wünsche erfüllen kann. Vor allem jedoch können der Mäusepapa und ich gut miteinander reden. Viele Sorgen und Probleme haben sich schon allein dadurch in Luft aufgelöst, dass wir uns davon erzählt haben.

Und beim nächsten Frühstück sage ich meinem Mann: „Duhu, Dein Kaffee ist ganz prima geworden. Und dass wir hier zusammen sitzen, wir beide mit unseren drei Mäusen, finde ich immer noch ganz wunderbar.“

 

 

 

3 Kommentare zu „J´adore cette baguette

  1. Wir machen auch viel allein, mein Mann und ich. Meist arbeitet oder telefoniert er abends im Arbeitszimmer, während ich im Wohnzimmer bin. Wir gehen auch nicht zur selben Zeit schlafen, ich find das immer ganz merkwürdig, wenn ich sowas im Fernsehen sehe. Man ist doch nicht automatisch zur selben Zeit müde, nur weil man zusammen lebt!

    Die Zeit zu zweit ist aber doch wichtig, leider fällt einem das meist erst auf, wenn mal wieder eine „Zwischenkrise“ da ist. Dann geben wir uns mal wieder für eine Weile mehr Mühe, auch wirklich miteinander zu reden. Dafür muss man nicht unbedingt miteinander ausgehen, es hilft aber natürlich ungemein

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