Stilllesungen

Eltern kennen keine Work-Life-Balance. Dies ist eine der Kernaussagen des Buches von Felicitas Richter, das ich kürzlich gelesen habe. Eltern hilft es nicht, sich mit Zeitmanagement und Prioritätenlisten zu befassen, denn Eltern sind die bestorganisiertesten Arbeitnehmer überhaupt. Eltern meistern viele verschiedene Aufgaben tagtäglich in genau festgelegten Zeitfenstern, halten sich an Vorgaben und erledigen auch noch jede Menge unvorhergesehene Zusatzaufgaben. Sie brauchen all das nicht noch effektiver, disziplinierter oder kleinteiliger zu gestalten. Eltern haben all das schon versucht. Sie haben ausgefeilte Pläne für das operative Geschäft (Alltagskram) und viele Methoden zur Effizienzsteigerung geradezu erfunden. Trotzdem fehlt es Ihnen an Zeit, an Freiheit und an Unterstützung. Sie fühlen sich gehetzt und ausgelaugt.

Felicitas Richter legt das alles zutreffend offen, erklärt, warum die herkömmlichen Managementmethoden zu Hause nicht helfen und zeigt, wie man sich die nötigen Auszeiten und Atempausen im Familienalltag verschaffen kann. Sie ist Eltern-Coach und Mutter von 4 Kindern. Ihre Methode heißt „Simple Present“ und meint nichts anderes als sich seiner jeweiligen Situation bewusst zu sein und möglichst nicht mehrere Dinge gleichzeitig (halbherzig) zu tun. Mehr Gelassenheit, mehr Selbstbestimmung und mehr Achtsamkeit sollen helfen.

Ich kann Frau Richter zustimmen, wenn sie einem hier vor Augen führt, woher die Erschöpfung der Eltern kommt, was wir alles leisten und gleichzeitig auch schnell und gut erledigen. Sie fasst das alles ganz prima zusammen und gibt praktische Tipps zur Selbstanalyse und für Atempausen zwischen all dem, was ansteht. Ob ich dafür jetzt dieses Buch gebraucht hätte, weiß ich nicht. Vieles habe ich in meinem Familien- und Berufsalltag inzwischen schon selbst erfahren, mit Freundinnen besprochen und ausprobiert.

Es tut jedoch gut, mit Hilfe des Buches noch einmal inne zu halten und sich seiner Zeit- und Energiefresser im Alltag bewusst zu werden. Dabei hilft das Buch als eine Art Workbook und wer auch noch lernen möchte, Nein zu sagen, Aufgaben neu zu verteilen oder sich selbst etwas Gutes zu tun, kann es guten Gewissens zur Hand nehmen und durcharbeiten. Und dann gibt es da noch einige Praxistipps aus dem Familienalltag der Autorin selbst. Die fand ich teilweise tatsächlich neu und hilfreich.

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