Beste Freundin gesucht

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Meine beste Freundin ist mir verloren gegangen. Es ist so schleichend passiert. Wir haben uns weder gestritten noch sind wir uns irgendwie böse. Wir sehen uns einfach nur noch sehr selten und finden gerade keine gemeinsamen Themen. Sie ist seit längerem auch die Patentante des Mäuserichs, aber das weiß er gar nicht. Die Minimaus hat sie noch nie gesehen. Zu ihrer Tauffeier kann sie nicht kommen.

Sie hatte immer viel Verständnis für meine Elternthemen, dennoch schlich sich diese Distanz ein. Irgendwo zwischen dem zweiten und dritten Kind haben wir uns verloren und kaum noch Zeit miteinander verbracht. Wir trafen uns manchmal ohne Kinder und gleichzeitig habe ich versucht, sie in mein Familienleben einzubeziehen. Kaffee auf dem Spielplatz, Pizza bei mir auf dem Sofa oder auch Spaziergänge mit Coffee to go und Buggy. Das war jedoch alles nicht so das Wahre für uns, denn Spielplätze sind für Nichteltern irgendwie befremdlich, der Beginn des gemeinsamen Pizzaabends ließ sich nicht auf die Minute planen (erst mussten die Mäuse einschlafen) und lange Spaziergänge auf Büropumps tun weh. Unsere Treffen ohne Kinder hielten sich allerdings auch in Grenzen und daran war nun wirklich ich Schuld, denn zwischen Promotion, Beruf und Familienplanung hatte ich kaum noch Luft.

Hinzukam, dass meine Freundin schon lange über eigene Kinder sprach und wir sogar mal wagemutig davon träumten, gemeinsam schwanger zu sein. Meine Zeit kam dann mit 33 und ich hatte das erste Kind. Wir verschoben das gemeinsame Schwangersein aufs zweite Kind. Ich bekam es mit 36 und meine Freundin hatte immer noch „genügend Zeit“. Dann kamen bei ihr große Zweifel, ob das mit dem Kinderhaben so eine gute Idee ist. Zumindest nicht jetzt, nicht mit diesem Mann und vielleicht auch noch nicht in diesem Job? Ab da wurde es schwierig, denn ich bekam das dritte Kind und sie war sich immer noch nicht sicher. Ich war ausgefüllt mit Beruf und Familienleben und sie blieb erst einmal lieber ohne Kinder. Es gab auch keine konkreten Pläne, davon hätte sie mir berichtet. Ich denke, sie war sich einfach nicht sicher, wann es los gehen sollte und ich hatte schlicht Familienalltag.

Irgendwie fühlte sich wohl plötzlich jeder im Leben des anderen fehl am Platz. Zwischen all den Versprechen, sich wieder mehr zu sehen, fiel dann auch einmal der Satz, dass wir uns wieder näher fühlen würden, wenn sie endlich Kinder hätte. Das war blöd. Ich weiß das und es tut mir sehr leid. Ich hatte das Gefühl, unser Dilemma benennen zu müssen. Es wäre wohl besser unausgesprochen geblieben, denn nun war er in der Welt, dieser Gedanke. Er mag noch so zutreffend sein. Aber er tut weh und sorgt für Distanz. Bei uns jedenfalls.

Ich habe inzwischen die Erfahrung gemacht, dass ich als Mama zwei Arten von Freundinnen ohne Kinder habe. Die einen hängen sich voll rein und betüddeln meine Kinder. Sie kaufen Ihnen Geschenke, verpassen keinen Geburtstag, verarzten Wunden, helfen an der Schaukel aus, kochen mir einen Stilltee und sind auch ansonsten ganz herzig dabei. Die anderen wollen das alles gar nicht. Sie finden meine Kinder zwar auch süß, aber eher deshalb, weil sie vor allem mich mögen und hoffen insgeheim, dass ich nach der ersten Babyzeit mal wieder mehr Zeit für sie habe.

Die Freundschaften zu letzteren sind schwierig geworden, denn ich bin jetzt (nicht nur aber eben auch) Mama. Ich plane natürlich immer noch gern einen Kinoabend oder einen Einkaufsbummel unter uns „Mädels“. Das ist aber nicht mehr so exzessiv wie es ohne Kinder war, denn ich habe einfach nicht mehr so viel Zeit. Ich bin zwar besser organisiert denn je, trotzdem irgendwie immer auf Abruf und mit dem Wissen, dass die schönste Planung binnen weniger Stunden hinfällig sein kann. Eine Work-Life-Balance gibt es für mich als Mama nicht, denn nach der Arbeit im Büro geht die Arbeit zu Hause weiter. Eltern haben keinen feststehenden Feierabend, allenfalls Atempausen und unsere Freizeit hat immer auch etwas mit unseren Kindern zu tun. Ich sehe ganz klar, dass sich mein Leben sehr verändert hat. Es hat einerseits einen festeren Rahmen bekommen und ist andererseits turbulenter, weniger vorhersehbar und kostet mich mehr Kraft.

Trotzdem bin ich für meine Freundin zu einigem bereit. Schließlich gehe immer noch gerne Shoppen und kann mich immer noch zum Frühstück verabreden. Allerdings muss ich zur Stillzeit wieder zu Hause sein. Und da wäre ich dann überglücklich, wenn meine beste Freundin einfach mitkäme. Wenn sie vielleicht sogar mit der Maus etwas basteln und mit dem Mäuserich die Autos bewundern würde, während ich uns einen Kaffee koche. Oder wenn sie uns zum Spielplatz begleiten würde und wir mit einem Milchkaffee auf der Parkbank sitzen und erzählen könnten. Ich fände es schön, wenn sie nach der Arbeit die Maus ein klein wenig bespaßen würde, während ich Mäuserich und Minimaus ins Bett bringe. Es wäre mir eine große Erleichterung, wenn es dabei auch später werden dürfte, denn ich würde uns danach auf jeden Fall eine Pizza bestellen, einen Wein öffnen und mir Zeit für Neuigkeiten nehmen. Ich würde mir nach dem Abstillen den Vormittag fürs Frühstückengehen frei machen und versuchen, nicht nur von meinen Kindern und von Vereinbarkeitsfragen zu reden. Vor allem würde ich versuchen, einfach nur da zu sein.

Vielleicht wäre ich nicht mehr die Freundin, die ich vor meinen Kindern war, denn ich kann meine Lebensbereiche nicht mehr so scharf voneinander trennen. Aber ich wäre ganz sicher noch eine gute Freundin und ich hoffe, wir können irgendwann mal darüber reden.

2 Kommentare zu „Beste Freundin gesucht

  1. Oh, das kenne ich. Mir ist eine meiner besten Freundinnen abhanden gekommen, obwohl sie eine Tochter fast genau im Alter meiner Tochter hat. Also eigentlich ideale Voraussetzungen. Aber wir wohnen knapp eine Stunde (innerhalb einer Stadt) voneinander entfernt, was für einen Kurzbesuch mit 2 kleinen Kindern, die noch Mittagsschlaf halten, fast unorganisierbar ist. Telefonieren mag ich in meiner raren Freizeit überhaupt nicht, ich rufe fast niemanden mehr an. Ich mag auch nicht mehr abends weggehen (geht im Moment auch noch nicht). Letztens hatte ich sie mit ihrer Tochter mal am Wochenende eingeladen, weil ich mit meiner Kleinen alleine war. Ich wollte mich einfach mal wieder ausquatschen. Da brachte sie ihren Mann mit! Ich war total enttäuscht. Es ist so schade. Auch die Vorstellungen des Umgangs mit den Kindern sind sehr unterschiedlich, wenn auch nicht unüberwindbar. Vor allem ihr Mann macht vieles so, wie ich es nie mit meinen Kindern mache, und überträgt das leider auch auf meine Kinder. Das stört mich, mache ich ja auch nicht bei ihrer Tochter. Ich würde mir auch wünschen, dass sie mal einfach einen Spielplatz- oder Parknachmittag mitmacht, ist natürlich jetzt schwieriger mit ihrer eigenen Tochter, aber sie hat das auch nicht gemacht, als ich mit meinem Großen allein und unglücklich war und sie noch kein Kind hatte. Ich glaube sowieso, wenn man Kinder hat, wird man fast automatisch auf die Freunde zurückgeworfen, die in direkter Nähe wohnen und die man oft zufällig trifft. Verabreden und woanders hinfahren ist immer schwierig.
    Liebe Grüße!

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  2. Ich glaube, bevor ich Kinder hatte, hätte ich das auch nicht gekonnt – anderer Leute Kinder, und sei es auch nur kurzzeitig, zu beschäftigen etc. Man (also ich) kann sich das vorher einfach nicht vorstellen, WIE SEHR sich das Leben durch Kinder verändert. Ich weiß, wie schockiert ich war, als meine beste Freundin ein Kind hatte und ich noch nicht. Ich besuchte sie UND WIR KONNTEN KEIN GESPRÄCH IN RUHE ZU ENDE FÜHREN. Genau, so schockiert war ich. Jetzt lache ich darüber. Vielleicht ändert es sich ja später wieder, wenn die Kinder größer sind.

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