Als Mama denke ich französisch

Annika Joeres hat ein Buch geschrieben: „Vive la famille“ vom Herder Verlag. In der aktuellen Zeitschrift Eltern (4/2015) habe ich heute einen Artikel dazu gelesen und werde demnächst auch das Buch in einer meiner Stilllesungen besprechen. Das interessiert mich nun doch, denn es geht darum, dass die Französinnen mit ihren Ansichten zum Kinderhaben und zum Familienleben für mentale Entlastung sorgen. Jedenfalls bei der Autorin. Die Gefahr, dass sie einfach nur ein paar bekannte Klischees auspackt, besteht hier schon einmal nicht, denn sie lebt in Frankreich und erfährt die französische Einstellung zum Elternsein somit hautnah. Natürlich sind die Erlebnisse deshalb auch subjektiv, jedoch kann ich ihre Botschaft im Kern ganz gut verstehen.

Zum Beispiel beschreibt sie eine Situation, in der sie -typisch deutsch- ihr Kind bedauert, weil sie es als beinahe letztes Kind aus der KiTa abholt. Eine französische Mutter hingegen sieht die Situation eher so, dass die Kinder dadurch Glück hätten, die Erzieherin einmal für sich zu haben. Und weiter geht es damit, dass sie sich nicht unverstanden fühlt als sie ihr vier Monate altes Baby in die Betreuung gibt, um wieder zu arbeiten oder weil sie ihr Kind spät abholt. Sie beschreibt, dass es in einer französischen Tagesbetreuung medizinisches Personal gebe, das die Kinder auch mal bei Fieber versorgen könne und überhaupt lägen dort viele der ansonsten elterliche Pflichten auch beim Betreuungspersonal. Dies sei in Frankreich schlicht so gewollt und selbstverständlich. Die Franzosen würden mehr staatlichen Einfluss auf die Kinderbetreuung gestatten als es hierzulande der Fall sei, was ihr zunächst auch gewöhnungsbedürftig erschienen sei, im Großen und Ganzen aber für Entspannung sorge.

Mir ist klar, dass die Beziehung von Staat und Familie in Deutschland aus historischen Gründen anders gesehen wird. Die Autorin jedoch empfindet die französische Sichtweise für sich selbst als gut und traut sich daher auch ein zweites Kind zu. Kern des Ganzen: In Frankreich müsse sie keine perfekte Mutter sein und auch nicht danach streben.

Eine Supermom erwartet man in der Bundesrepublik auch nicht (mehr) und sicher hat die ein oder andere französische Einstellung auch Nachteile, zB für diejenigen Mütter, die das Leben mit Kindern entgegen dem dortigen Konsenz anders gestalten wollen. Dennoch kann ich sehr gut nachvollziehen, dass sie viel Entlastung mit sich bringt. Ich bin gespannt auf das Buch, vielleicht bin ich ja doch Französin im Geiste.

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