Nicht gelebte Möglichkeiten oder kleine Hexen im Sonnenschein

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Es ist mal wieder Zeit für etwas Grüblerisches. Wir waren heute mit Freunden unterwegs und man hört dann so dies und das. Berufliche Träume, Liebesdinge, Sinnfragen, Raumprojekte und einige „Hätte“ lagen dabei auf dem Tisch oder besser vor uns auf dem Rasen. Wir waren mit den Mäusen spazieren und da war Zeit zum Reden. Viel gab es zu berichten und vieles hat mich berührt. Es ging um aufgeschobene Kinderwünsche, um unerfüllte Umzugspläne, um verhauene Prüfungen, um berufliche Veränderungen, um durchkreuzte Lebensplanungen und um nicht getroffene Entscheidungen. Quer durchs Gefühlsleben…

Die Kernfrage bei allem war: Wie ist denn das so mit dem Zögern, Verharren und Stehenbleiben? Kann ich einen Kinderwunsch aussitzen, sollte ich berufliche Pläne verschieben, muss ich Umzugspläne ad acta legen, darf ich mich entscheiden, nichts zu tun? Ist es besser, da zu bleiben wo man ist, oder sollte man losgehen?

Ich kann diese Frage gar nicht so absolut beantworten. Manches Mal ist es mir besser bekommen, etwas abzuwarten, ein wenig Zeit verstreichen zu lassen, sich die Sache noch einmal aus der Ferne anzusehen und dann den nächsten Schritt zu planen. Manches Mal war es wiederum gut, die Energie des Augenblicks zu nutzen und etwas in die Wege zu leiten, neue Pläne nicht länger aufzuschieben sondern genau jetzt anzugehen.

Irgendwo dazwischen liegt wohl die Antwort. Was sich bisher nie als gut erwiesen hat – weder bei mir noch bei Freunden – ist, etwas über Jahre vor sich herzuschieben und gar keine Entscheidung zu treffen. Also sich weder bewusst dafür noch dagegen zu entscheiden. Dabei kommt man eher in so eine Art Verhaltensstarre und findet den Mut für Veränderungen gar nicht mehr. Je länger man trotz seiner Unzufriedenheit an einem Zustand fest hält, umso weniger kann man ihn ändern, denn um so schwerer kommt einem der nächste Schritt vor. Ich meine damit nicht, dass man blind darauflos laufen sollte, aber wenn man über etwas nachdenkt und jahrelang keinen Standpunkt dafür oder dagegen findet, dann versickert das Thema in einem und blockiert andere Dinge. Lebensfragen werden dadurch nicht geklärt, wichtige Projekte nicht gestartet und neue Wege nicht gegangen.

Ich weiß, das sind jetzt sehr abstrakte Überlegungen, aber ich habe beobachtet, wie Freunde sich selbst sabbotieren. Und das nur, weil sie nicht ein bißchen Mühe aufbringen, um herauszufinden, was sie eigentlich genau wollen oder was sie daran hindert, ein Thema für sich abzuschließen. Latente Unzufriedenheit wird jahrelang hingenommen. Dabei kann man ganz herrlich jammern, sich selbst leid tun und sich auch noch einreden, man könne nichts dagegen machen. Letzteres ist ja oft genug der Fall, aber manchmal eben auch nicht.

Mir ist schon klar, dass einem die Welt nicht zu Füßen liegt. Inzwischen bin ich erwachsen genug, um zu wissen, dass einem schlicht nicht alle Möglichkeiten offen stehen. Dazu fehlen einem manche Fähigkeiten, Eigenschaften oder finanzielle Mittel. Ich kenne mich selbst inzwischen auch gut genug um einzusehen, dass ich durch einige Türen in meinem Leben nicht mehr gehen werde.

Ich kann mich allerdings immer noch dazu entschließen, die Möglichkeiten zu nutzen, die mir bleiben. Ich kann mich dafür entscheiden, ein gewisses Risiko einzugehen oder anders gesagt, etwas Vertrauen ins Leben zu investieren. Ich selbst bin ein ausgesprochener Sicherheitsmensch. Deshalb würde ich niemals wagemutig von Hochhäusern springen, nicht ohne Begleitung auf Reisen gehen und nicht über Projekte mit finanziellen Ungewissheiten nachdenken. Ich kann aber zB einen ersten Schritt machen, etwas ausprobieren, Neues beginnen oder mir Hilfe beim Nachdenken holen.

Ein wenig frische Brise darf im Leben schon noch aufkommen und ab und zu mal nicht genau zu wissen, was einen um die nächste Ecke erwartet (kleine Hexen im Sonnenschein oder andere zauberhafte Dinge?) ist auch nicht verkehrt. All dies finde ich besser als unglücklich in einem Zustand zu verharren, der mir schon mit Mitte 30 das Gefühl gibt, das Leben könne einem nichts Neues mehr bieten….

So, das musste jetzt mal aus meinem Kopf hier in die Tasten….

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