Ich bereue gar nichts…

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Ihr habt es dieser Tage schon oft gelesen. Die Tageszeitungen greifen das Thema gerade im Internet überall auf. Ich kannte den Ausdruck dazu bis gestern gar nicht: „Regretting Motherhood“. Darüber kann man sich schon so seine Gedanken machen. Die Soziologin Orna Donath hat eine nichtrepräsentative Umfrage dazu erstellt, ob die Befragten mit dem heutigen Wissen noch einmal Mutter werden würden. Die Studie umfasste nur 23 Frauen und diese haben nein gesagt. Okay, was soll’s? Warum diese Empörung? Es gibt sie also die Frauen, die es sich jetzt anders überlegen würden. Ist doch in Ordnung, finde ich. Das so offen zu sagen, ist auch in Ordnung. Ihren Kindern werden sie das kaum auf die Nase binden, denn sie lieben ihre Kinder. Auch das wurde in der Befragung deutlich.

Ich habe mir das Mamasein vorher zum Glück gar nicht wirklich ausgemalt. Natürlich habe ich davon gehört und gelesen. Ich habe mir nur nicht vorgestellt, wie ich als Mama so sein würde. Lange Zeit dachte ich, ich könnte gar nicht mit Kindern, weil ich die Kinder anderer Leute meistens doof fand. Das wurde erst mit den eigenen Kindern anders und inzwischen mag ich auch die Hosenmätze anderer Leute.

Ich bin zudem recht pragmatisch veranlagt und habe auch keine perfekte Entbindung, kein perfektes Familienleben und keine perfekte Mutterschaft von mir erwartet. Einmal lange durchdachte Entscheidungen hinterfrage ich nicht mehr groß, noch weniger neige ich dazu etwas zu bedauern, was ich nicht mehr ändern kann. Das ist meine Natur, ich lebe vorwärts. Ich wollte die Sache mit den Kindern nur irgendwie gut machen, na klar, das ist schon Herausforderung genug.

Mich hat das Mamasein trotzdem kalt erwischt. Ich hatte mir diese Fremdbestimmung nicht vorstellen können. Ich hatte mir vorher nicht ausmalen können, dass wir einmal so viel Zeit, Energie und Nerven für unsere Kinder opfern würden. Und das freiwillig. Man lernt sich selbst als Mama erst kennen, wenn es so weit ist. Einen Probelauf gibt es nicht. Deshalb ist es heutzutage, bei all der Planbarkeit schon eine irre mutige Entscheidung, Kinder zu bekommen. Man weiß nicht wirklich, wie man sich damit fühlen wird, kommt aus der Nummer nicht mehr heraus und muss sich trotzdem sagen lassen, man habe es ja so gewollt.

Ich bin eben nicht nur Mama. Das ist nicht meine einzige Lebensaufgabe. Ich bin auch noch ein großer Teil ICH. Und dieser Teil denkt dann auch manches Mal, musste das sein? Ganz sicher, wäre ich auch ohne Kinder in meinem Leben glücklich geworden. Sie gehörten nicht gar so fest zu meinem Lebensentwurf und einen dringenden Kinderwunsch hatte ich nie.

Ich hätte dann allerdings nie gewusst, was ich verpasse. Und jetzt sind da diese (inzwischen drei) Menschlein in meinem Leben, die sich auf mich verlassen, die mich brauchen und die ich liebe. Das ist schon etwas ganz Großes und zum Glück fühle ich das auch so. Ich finde dieses Konstrukt des Mamaseins auch einengend und schwer. Es ist nicht leicht und spätestens jetzt muss man erwachsen werden. Fluchtgedanken habe ich häufig und manchmal wäre ich auch lieber mein Mann. Aber ich fühle bei allem, dass es gut so ist, dass ich damit leben will und dass es mich glücklich macht. Ich habe wohl irgendwie auch „Schwein“ gehabt, denn ich hätte das alles auch anders empfinden können.

Deshalb kann ich sehr gut verstehen, dass manch einer sein Leben rückblickend anders gestalten würde.

3 Kommentare zu „Ich bereue gar nichts…

  1. Schön geschrieben! Vor allem der Satz, dass man sich als Mama erst dann kennenlerne, wenn es soweit ist, gefällt mir. So ähnlich beschreibe ich das auch immer. Ich finde mich inzwischen auch immer mehr in die Mutterrolle ein, aber eine rundum glückliche Vollzeit-Mami werde ich wohl nicht werden. Ich bin schon froh, wenn ich mein Kind mal nicht um mich habe.

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