Jetzt mag ich keinen Kaffee mehr…oder „Lost in Space“

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Unser Gespräch ging ziemlich schief und wir haben uns dann nur noch genervt voneinander verabschiedet. Dabei fing der Tag so gut an und wir wollten nach dem Wegbringen der Mäuse zusammen einen Kaffee trinken gehen bevor der Mäusepapa ins Büro musste. Statt dessen stand ich frustriert auf dem Gehweg und starrte ihm nach bis er nicht mehr zu sehen war. Wie konnte ein so harmlos begonnenes Gespräch so daneben gehen?

Wir hatten gerade noch über einen Freund gesprochen, der am Telefon scherzhaft zum Mäusepapa meinte, er habe eine anspruchsvolle Frau und müsse daher so viel arbeiten. Ich habe nicht gelacht und nur festgestellt, dass sie sich das ja beide irgendwie so ausgesucht hätten. Er arbeitet Vollzeit, sie arbeitet Teilzeit und betreut die Kinder. Aufgrund des gehobenen Lebensstandards zwar mit Hilfe einer Haushälterin und eines Au-Pairs, aber für mich dennoch in der klassischen Rollenverteilung. Ich habe dann noch die Anmerkung hinterher geschoben, dass ich so nicht leben wollen würde und wohl auch keine drei Kinder hätte, wenn das bei uns so klassisch abliefe. Ich wollte damit sagen, dass ich unser Modell, alles zu teilen, besser finde. Am Ende habe ich wohl aber ziemlich humorlos geklungen als ich schnippisch anmerkte, dass der Mäusepapa also eine anspruchsvollere Frau bräuchte, um mehr Geld zu verdienen…An dem Punkt fand der Mäusepapa mich nervig und warf mir vor, zu sehr darum besorgt zu sein, in der klassischen Rolle der Hausfrau und Mutter zu landen.

Ich weiß, mein Gedankengang war wohl den Büchern geschuldet, die ich in letzter Zeit über gleichberechtigte Aufgabenverteilung und Vereinbarkeitsfragen gelesen habe. Aber ganz ehrlich, ich finde den Spruch unseres Freundes immer noch nicht witzig und gemeint hatte ich alles danach dann auch irgendwie anders. Aber wenn er schon fragt. Na klar habe ich Sorge, in der klassischen Rollenverteilung zu landen. Schließlich fühlt es sich im Moment verdammt danach an, weil ich zu Hause bin, weil ich die Mäuse nachmittags abhole und alleine betreue, weil er ein paar Tage ohne uns weg gefahren ist, weil ich die Familientermine koordiniere, weil ich wasche, aufräume und vieles mehr. Also ja, ich stecke bis zur Halskrause in der Rolle und das wird sich wohl auch erst merklich ändern, wenn ich wieder arbeite.

Ich bin selbst erstaunt, wie schnell man den Überblick verliert und sich in dieser häuslichen Babywelt vergraben fühlt. Da ist das Gespür dafür, dass wir hier über einen sehr begrenzten Zeitraum reden, manchmal einfach verschwunden und übrig bleibt dann diese kaugummizähe Zeit und das Gefühl von „Lost in Space“.

Na gut, ich werde das Thema vor dem Mäusepapa nicht mehr aufgreifen. Er ist gar nicht der Typ, der mich so klassisch sieht. Dass es sich für mich gerade trotzdem danach anfühlt, kann er natürlich nicht nachvollziehen. Ich werde mich also eher aufs Handeln verlegen und dafür sorgen, dass ich mir weniger eingeengt vorkomme. Für den Anfang werde ich aufhören, mich für alle häuslichen Pflichten verantwortlich zu sehen und ihm die Minimaus noch öfter in den Arm drücken. Ich werde auch konsequenter darauf achten, dass ich kinderlose Zeiten bekomme und mich beruflich wieder etwas umsehen. Vor allem werde ich mich bemühen, das Ganze weniger endgültig zu betrachten und mir den Satz meines Coachs ins Gedächtnis rufen: “ Im Moment ist es so…“ (und nicht für immer).

2 Kommentare zu „Jetzt mag ich keinen Kaffee mehr…oder „Lost in Space“

  1. Ich kann Dich total verstehen, das ging mir in der Babyzeit auch immer extrem so, obwohl mein Mann auch keiner ist, der das klassische Rollenmodell vertritt. Deshalb konnte er auch nie verstehen, was meine Ängste und Befürchtungen waren und wie ungewollt abgedrängt ich mich fühlte. Ich konnte mich auch nicht damit trösten, dass es sich um eine begrenzte Zeit handelte. Tatsächlich wurde es erst besser, als ich wieder arbeitete und mich nicht mehr automatisch für alles zuständig fühlte (was mein Mann wie gesagt nie so gesehen hat, aber ich eben zwangsläufig durch’s Zuhausesein).
    Wünsche Dir noch Kraft zum Durchhalten und die Gewissheit, dass es wirklich nicht für immer ist und wieder besser wird.
    Liebe Grüße!

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  2. Ja wirklich, wie können manche Gespräche so daneben gehen. Würde ich auch gerne mal wissen… Ich fühle mich auch in die klassische Rollenverteilung gedrückt, weil mein Gehalt als Erzieherin nur für die Miete reichen würde, können wir nicht die Rollen tauschen. Lg Petra

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