Ich weiß ja nicht, wie Sie Ihre Kinder erziehen, aber Pflänzchen sterben dabei.

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Heute war ein besch… Tag. Ich entschuldige mich für die Ausdrucksweise, aber ich kann es gerade nicht anders nennen. Heute lief alles schief, was irgendwie schief gehen kann und leider bezieht sich das auf rein zwischenmenschliche Dinge. Die lassen sich nicht so leicht beiseite schieben wie eine defekte Waschmaschine oder ein kaputtes Fahrrad. Mir geht es jedenfalls so. Ich leide unter diesen zwischenmenschlichen Fehlschlägen mehr und grübele länger darüber nach. In der Summe war das Zwischenmenschliche heute wohl zu viel, denn letztlich fand ich mich mit Minimaus im Tragetuch mitten im Berufsverkehr auf dem Bürgersteig vor einem brüllenden und um sich schlagenden Dreijährigen; wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und hoffte, dass das niemand mitbekam; ließ mich von einer Sechsjährigen trösten und jammerte meinen Mann am Telefon an, er möge nach Hause kommen und zwar sofort. Ich entschuldige mich für diesen Zusammenbruch. So etwas kommt selten vor und wer mich kennt weiß, dass ich dazu auch nicht neige. Heute konnte ich nicht anders.

Aber der Reihe nach und ich schreibe das hier auch nur, weil ich hoffe, es gibt irgendwo Menschen, die mich verstehen können…

Es begann irgendwie damit, dass der Mäusepapa mir eröffnete, er wolle über die Ostertage seine Eltern besuchen. Alleine, ohne uns. Soweit so gut. Wir hatten vor Wochen schon besprochen, dass er (im Gegensatz zu mir) ein paar Tage frei bekommt. Ich war darauf eingestellt, dass er bis Ostersonntag weg sein würde. Meine Mama war informiert und ich innerlich gewappnet, drei Kinder irgendwie mit ihrer Unterstützung alleine zu wuppen. Wenn er das für einen Besuch bei seinen Eltern nutzen wollte, gut. Ich war müde, die Nacht war anstrengend gewesen und ich hatte meinen Morgenkaffee noch nicht, da hörte ich ihn sagen, er werde bis Montag bleiben und vielleicht Donnerstag schon fahren. Darauf reagierte ich erst einmal nicht mehr so verständnisvoll und damit begann das Zwischenmenschliche…Er hatte von mir ein uneingeschränktes Okay erwartet und war sauer, weil ich genau das in dem Moment nicht konnte. Ich wollte die Rahmenbedingungen besprechen, er nicht. Dass der Mäusepapa sauer ist, hieß in dem Fall 2 Tage lang nur das Nötigste mit mir besprechen und ansonsten kühl schweigen. Meine Gesprächsangebote waren sinnlos. Ich fand es unfair, dass ich da kein Vetorecht haben sollte. Er fand ein Vetorecht unpassend, weil ihm der Besuch bei seinen Eltern wichtig ist.

Soweit so gut. Ich kann das verkraften, ganz ehrlich. Aber dann kam hinzu, dass meine Mutter die Situation mit den Worten: „Ihr wolltet ja drei Kinder.“ garnierte, meine Kinderärztin den geplanten KiTabeginn der Minimaus mit 10 Monaten (es ging um die Impfzeiten) als recht früh kommentierte, eine ältere Dame mir unfreundlich meine Erziehungskompetenz absprach als der Mäuserich zwei Schritte über ein paar verholzte Bodendecker kletterte („Ich weiß ja nicht, wie Sie Ihre Kinder erziehen, aber Pflänzchen sterben dabei.“) und der Mäuserich wenig später wegen einer Unstimmigkeit versuchte, sich von mir loszureißen und dabei so außer sich schrie, dass mehrere Passanten stehen blieben, auf der anderen Straßenseite ein Fenster geöffnet wurde um nachzusehen, was los ist und mir jemand riet, ich solle einfach weitergehen, der Mäuserich werde schon nachkommen. Letzteres kam von einer Mutter, die ich vom Sehen kannte und der ich dann erst einmal erklärte, dass es nicht ums Mitkommen sondern darum ginge, dass er mir nicht wegläuft. Der Mäuserich läuft in solchen Situationen einfach los. Dabei ist es ihm auch egal, ob er noch in Sichtweite ist oder nicht und mit der Minimaus vor dem Bauch bin ich nicht sonderlich schnell. Und außerdem mussten wir in die andere Richtung.

Ich war wirklich nahe daran, meine Kinder zur Adoption frei zu geben. In diesem Moment wollte ich das alles nicht mehr. Ich wollte mich nicht vom Mäusepapa so alleine gelassen fühlen, ich wollte keine Beleidigungen zu meinem Erziehungsstil, ich wollte nicht mit einem schreienden Kind auf der Straße stehen und sozial auffällig sein, ich wollte mich nicht dafür rechtfertigen, warum Minimaus mit 10 Monaten in der KiTa startet und warum ich drei Kinder wollte (das wusste ich in dem Moment selbst nicht mehr). Ich wollte ganz dringend woanders sein, alleine, die Kontrolle haben und ich sein. Nicht diese total aufgelöste Mama mit dem schreienden Kind und diesen ganzen wirren Gedanken im Kopf.

Denkt jetzt an schlechten Tagen jeder sofort, warum hat sie dann drei Kinder, wenn sie damit überfordert ist? Heute frage ich mich das selbst und hoffe, morgen weiß ich es wieder. Gute Nacht!

4 Kommentare zu „Ich weiß ja nicht, wie Sie Ihre Kinder erziehen, aber Pflänzchen sterben dabei.

  1. Eieiei!
    Ich kenne diese Situationen in denen man nicht genug Hände, aber plötzlich viele besser wissende Worte im Ohr hat ((( )))
    Ich wäre allerdings auch ziemlich enttäuscht, sollte man mich mit allen 3 Kindern über Ostern alleine lassen!
    Und ich wäre ebenfalls richtig sauer, wenn es als Selbstverständlichkeit angesehen wird.
    Ich hoffe, ihr findet eine gemeinsame Lösung

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  2. Da muss ich meiner Vorrednerin recht geben. Es wäre für mich ein No Go, über 4 Tage, zumal noch Feiertage, ohne Entlastung mit den Kindern alleingelassen zu werden, um allein aus Vergnügen zur Mutter zu fahren. Da gäbe es auch gar keine Diskussion drüber. Wenn er 4 Tage fahren muss, soll er 1-2 Kinder mitnehmen. Und dann noch sauer zu sein, weil Du damit nicht einverstanden bist, ist wirklich gemein. Dass Dich dann jede Bemerkung von anderen verletzt hat, ist nur zu gut verständlich. Du musst Dich dafür auch nicht rechtfertigen oder entschuldigen.
    Ich hoffe auch, dass Dein Mann einlenkt und ihr einen Kompromiss findet.
    Liebe Grüße!

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  3. Och nö, das hört sich nicht gut an. Wenn dann alles zusammenkommt, kann einem doch nur der Kopf und der Kragen platzen.
    Vier Tage finde ich auch viel, zumindest, wenn drei Kinder zu versorgen und bespaßen sind. Habt ihr euch vielleicht inzwischen doch auf nur zwei Tage einigen können?
    Ich hoffe, dass es dir schon ein bißchen besser geht!

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  4. Hallo, danke für Eure unterstützenden Worte. Ich habe mich jetzt mit dem Mäusepapa darauf geeinigt, dass ich als Ausgleich auch mal frei bekomme. Das klingt fair, aber ich fühle mich gerade trotzdem allein gelassen und kann mich dazu nicht so richtig freuen. Mal sehen, vielleicht ist da noch mehr Redebedarf. Liebe Grüße

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