Mit drei Kindern ist man kinderreich…

image…na gut, das stimmt nicht ganz. Erst ab vier Kindern wird der Begriff kinderreich (nicht einheitlich definiert laut Wikipedia) verwendet. Mit drei Kindern sind wir eine sogenannte Mehrkindfamilie im Unterschied zu einer Kleinfamilie…Nach dem Verband kinderreicher Familien e.V. in Deutschland gelten wir aber auch mit drei Kindern schon als kinderreich.

Ich habe in unserer Entscheidungsphase für oder gegen ein drittes Kind viel, sehr viel zum Thema gelesen. Mich hat dabei auch besonders interessiert, wie diese Entscheidung in anderen Familien getroffen wurde. Besonders in einer Studie des Österreichischen Instituts für Familienforschung fand ich heraus, dass die Gründe für ein drittes Kind oft rein emotional seien, wohingegen die Gründe dagegen eher rationaler Art seien. Die Entscheidungen für erste und zweite Kinder werde wiederum eher planvoll, ganz bewusst getroffen, wobei beim ersten Kind natürlich die Weichenstellung erfolge, ob man überhaupt Kinder wolle. Bei der Entscheidung für dritte Kinder spielten hingegen viel mehr der Zufall (keine bewusste Planung durch die Paare) sowie die persönlichen und materiallen Lebensumstände eine wesentliche Rolle und wie die Geschwisterkonstellationen in den Herkunftsfamilien sind. Zudem würden ursprünglich geplante dritte Kinder oft nicht mehr realisiert, wenn der Abstand zum zweiten Kind größer wird, denn dann lägen die Prioritäten wieder mehr bei persönlichen Freiräumen, der Paarbeziehung und der persönlichen Entwicklung.

Die Entscheidung für das dritte Kind ist demnach wieder besonders. Das hat noch einen weiteren Grund. Familien mit mehr als zwei Kindern werden in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen, so der Verband kinderreicher Familien. Manche Familien würden eher Sprüche dazu hören, wieviel Arbeit die Kinder bedeuten anstatt sich zu den Kindern zu freuen. Das dritte Kind werde oft als „Luxuskind“ oder „Armutsgrund“ gesehen. Wenn ich den Bericht von Katarina in ihrem Blog Blogprinzessin zu ihrer Haussuche lese, wird mir klar, warum wir mit drei Kindern nur zu 12 % der Familien in Deutschland gehören. Unsere Freunde mit 4 Kindern sogar nur zu 3 %. In meiner dritten Schwangerschaft wurde ich öfter mal gefragt, ob es geplant war. Die Frage gab es vorher nie. Und ich wurde verständnislos gefragt, ob ich dann mit drei Kindern auch wirklich wieder arbeiten will. Da scheint es also eine gewisse vorbelastete Einstellung zu Mehrfachmüttern zu geben.

Mir ist ansonsten jedoch noch kein Mensch mit wirklichen negativen Vorbehalten begegnet. Außer meiner Mama vielleicht, die drei Kinder unvorstellbar fand. Aber das war noch während der Entscheidungsphase und nachdem der Wusel in meinem Bauch heranwuchs und erst recht seitdem die Minimaus da ist, gibt es nur noch Liebe und Freude darüber. Allerdings ertappe ich mich selbst dabei, dass ich mich vorsintflutlich vor blöden Fragen wappne. Ich habe regelmäßig den Satz „Ja, das sind alles meine und sogar vom selben Vater“ auf den Lippen oder ich überlege manchmal, wie ich meinen Dr. jur. in Gespräche und Schreiben einfließen lasse, um nicht vorverurteilt zu werden. Ich betone in Gesprächen auch etwas zu häufig, dass unsere Freunde mit 4 Kindern von Beruf Ärztin und Journalist sind, um auch dort jegliche Vorurteile im Keim zu ersticken. Und ich achte jetzt mehr darauf, dass meine Kinder nicht ungepflegt aussehen.

Ich benehme mich in der Hinsicht blöd, ich weiß. Als wäre es nicht Zeit, sich zu entspannen, denn drei Kinder sind toll. In Italien wurden unsere Freunde zu ihren 4 Kindern beglückwünscht (auch wenn Italien statistisch hinter uns liegt, ist die Einstellung dort offenbar eine andere). In der Schweiz liegen Dreikindfamilien im Aufwärtstrend, in den skandinavischen Ländern, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und Irland fällt die Gründung einer Großfamilie scheinbar auch etwas leichter. Sie liegen mit ihren Mehrkindfamilien statistisch alle vor uns (auch wenn der Abstand nicht groß ist). Unter den Familien mit drei Kindern gibt es neben der Gruppe unterdurchschnittlich gebildeter Eltern auch eine über dem Durchschnitt liegende Gruppe mit hohem Bildungsstatus und beruflichem Abschluss. Dazu besagt ein Bericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen, Jugend: „Bei 28% der Paare mit drei Kindern hat mindestens einer der Partner das Abitur, in 17% der Familien dieser Größe sogar beide Partner (Durchschnitt aller Familien: 15%). Ebenso liegen die Anteile derjenigen, bei denen ein oder beide Elternteile einen Hochschulabschluss haben, über dem Durchschnitt. Es ergibt sich damit eine U-förmige Verteilung: Unter den kinderreichen Familien gibt es überdurchschnittlich häufig Eltern mit keinem oder aber mit dem höchsten Bildungsabschluss.(Eggen/Rupp 2006).“ Ich habe gelesen, dass die Mehrfachväter überdurchnittlich oft Freiberufler und Selbstständige sind. Was ich auch noch unbedingt erwähnen sollte ist, dass laut dieses Berichts Paare mit mehr als zwei Kinder ihre Partnerschaft überdurchschnittlich häufig als glücklich und stabil bezeichnen. Wird gleichberechtigt zusammengelebt, schätzen diese Paare ihre Aufgabenteilung im Alltag auch häufiger als zufriedenstellend ein als Paare mit weniger Kindern. Und sie gehen mehr als andere Paare davon aus, dass ihre Beziehung ein Leben lang hält.

Das würde ich gerne mal allen um die Ohren hauen, die sich so unhöflich benehmen wie Katarinas Makler.

2 Kommentare zu „Mit drei Kindern ist man kinderreich…

  1. Du sprichst mir aus der Seele! Wunderschöner Bericht. Wir haben auch 3 Kinder und durften zum Glück erfahren, dass man uns in China und hier in Barcelona mit 3 Kindern sehr schätzt … in Deutschland sah das leider anders aus! Ich wünsche Dir einen guten Start in die Woche. Lieben Gruss, Jenni

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  2. Da ich selber mit 3 Geschwistern aufgewachsen bin, kenne ich diese Sprüche bereits seit Kindertagen.
    Ich meine auch irgendwo mal gelesen zu haben, dass es vor allem Kinder aus kinderreichen Familien sind, die selber eine solche gründen.
    Wie dem auch sei: hier sinds auch 3 Kinder, allerdings mit 2 weiteren Dreikindfamilien im Freundeskreis des Mannes. Von daher gibt es von dieser Seite aus wenig Sprüche.
    Dennoch höre ich oft von Fremden viele Floskeln, die einfach über der Grenze sind.

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