Wer hat Angst vor dem zweiten Kind…?

imageNachdem ich diesen ehrlichen Beitrag von Wiebke gelesen habe, muss ich doch auch mal etwas dazu schreiben. Das zweite Kind ist noch einmal ein Sprung. Ich fand den Aufprall bei meinem Sprung zu einem Kind zwar am härtesten, aber ich kann sehr gut nachvollziehen wie Wiebke sich gerade fühlt. Jetzt hat man die allererste Zeit mit Kind gut überstanden, alles hat sich eingespielt, man ist gut organisiert, findet sich als Eltern halbwegs zurecht, hat die erste Zeit mit Beruf und Kind geschafft, alles hat sich irgendwie neu hingeschuckelt und man traut sich allmählich auch ein weiteres Kind zu. Doch dann kommen unweigerlich all diese Fragen. Wie verändert sich der Alltag mit einem weiteren Kind? Ist das zu schaffen oder mache ich die gerade gewonnene Harmonie wieder kaputt? Wird mein Erstgeborenes den Fall vom Thron unbeschadet überstehen? Kann ich zwei Kinder genauso lieben wie ein Kind?

Die schlechte Nachricht ist, jedes Kind ist ein Sprung ins Ungewisse. Sei es das erste, zweite oder wie bei mir jetzt das dritte Kind. Es wird nicht ganz ohne Eifersucht, nicht ohne Streit und zwischendurch nicht ohne Stress ablaufen. Die gute Nachricht ist, es findet sich alles, mit der Zeit und irgendwie. Ganz im Ernst. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Ängste unbegründet sind und sich das Familiengefüge nach einer Übergangsphase, in der man etwas Geduld braucht und erst einmal nur von Tag zu Tag lebt und organisiert, neu findet und sich bald wieder alles eingependelt hat. Und das Beste, man weiß dann fast schon nicht mehr, wie es jemals hätte anders sein können.

Meine Erfahrung ist auch, dass der Schritt zum ersten Kind der anstrengendste ist. Man kennt sich als Eltern noch nicht, man hat noch keinen kindgerechten Alltag und ist noch nicht im Baby-/Kindermodus eingetaktet. Man hat auch diese Fremdbestimmung noch nicht erlebt und sich als Paar bislang recht unabhängig bewegt. Diese teilweise schmerzhafte Lernphase hat man nach der Geburt des ersten Kindes nun schon mal geschafft. Man vergisst ja auch ganz viel wieder, es wird leichter, weil die Kinder größer werden und man auch innerlich gewachsen ist. Und nun fängt das von vorne an? Jein!

Mit einem weiteren Kind kommt zwar neu dazu, dass man seine Zeit auf zwei Kinder aufteilen muss. Und das Baby hat zunächst wieder andere Bedürfnisse als das größere Kind. Aber das spielt sich ein, man wächst auch dort hinein. Viele Handgriffe kennt man ja nun schon. Ich habe den Alltag der Maus zunächst so belassen, wie er vor der Geburt des Mäuserichs war. Sie ist weiterhin (gern) zur KiTa gegangen und so konnte ich mich tagsüber besser auf das Baby konzentrieren. Mich hatte in den ersten Wochen nach der Geburt des Mäuserichs auch die Panik erfasst, dass die Maus mich als Mama und diese exklusiven Zeiten vermissen und darunter leiden könnte. Natürlich hat sie das vermisst, aber sie hat das auch besser „weggesteckt“ als ich. Sie hat sich auf den Papa konzentriert und ansonsten das an Nähe „mitgenommen“, was eben ging. Wir haben mit ihr die Babyalben angesehen, um ihr zu zeigen, dass sie auch mal ein Baby war, mit dem wir all das gemacht haben, was wir mit ihrem kleinen Bruder nun so „anstellen“. Sie war ganz stolz, auf einmal große Schwester zu sein und ist daran gewachsen und selbstständiger geworden. Sie hat ihren kleinen Bruder bestaunt, sich um ihn gekümmert und ist jetzt mit ihm ein Herz und eine Seele (meistens jedenfalls).

Ich will damit sagen, dass unsere Großen mit einem Geschwisterkind mehr gewinnen als sie verlieren. Das habe ich mir immer vor Augen geführt, wenn ich in manchen Momenten bedauert habe, der Maus nicht mehr exklusiv zur Verfügung stehen zu können. Diese TrauerMomente werden gerade am Anfang oft kommen. Das kennt wohl jede Mama. Aber nach einer relativ kurzen Umstellungsphase kommen viel mehr Momente, in denen wir die Großen und die Kleinen zusammen sehen und denken, alles richtig gemacht. Dann können wir es uns gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne unsere Kleinen war und wie unsere Großen jemals alleine durch die Kinderwelt gelaufen sind. Und die Großen? Sie können es sich dann auch nicht mehr anders vorstellen….

2 Kommentare zu „Wer hat Angst vor dem zweiten Kind…?

  1. Wunderbar geschrieben! Danke! Zwar ist die Motte erst acht Monate alt aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mich unheimlich darauf freue, wenn sie einmal große Schwester sein wird! Dein Blogpost hat viele meiner Gedanken dazu aufgegriffen und geklärt!
    Liebe Grüße,
    Carina

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  2. Ich hatte vor dem zweiten Kind auch viele Gedanken und Sorgen, darüber hatte ich vor der Geburt meines zweiten Sohnes auch mal geschrieben. Und es war wirklich stressig. Es IST stressig. Da will ich nichts beschönigen. Aber wie Du sagst: Es spielt sich alles ein und man hat superschnell das Gefühl, als sei das zweite Kind immer dagewesen!

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