Das Kind hat kalte Füße…

imageIch bin inzwischen dreifache Mutter, habe 12 Jahre Berufserfahrung und promoviert, bin also wohl nicht ganz auf den Kopf gefallen. Außerdem habe ich zwei Elternzeiten ganz und eine zum Teil hinter mir, habe zwei Kitaeingewöhnungsphasen mit Maus und Mäuserich gemeistert, bin inzwischen auch schon im Schulalltag meiner Maus kein Amateur mehr, habe alle Kinder monatelang voll gestillt, viel getragen und fühle mich auch ansonsten insgesamt gut organisiert sowie meistens recht normal und reflektiert in meinen Ansichten. Also alles gute Voraussetzungen, um in fast allen Babyfragen entspannt zu bleiben.

Dennoch, und das ist das erstaunliche, bringen mich manche Kommentare zur Pflege von Minimaus erst in Verlegenheit und dann auf die Palme. Jawohl, ich kann es nicht mehr hören, dieses „Du trägst Minimaus den ganzen Tag? Was passiert, wenn Du sie einfach mal hinlegst, sie schläft doch jetzt?“ oder „Das Kind hat doch bestimmt kalte Füße und setzt Du ihr gar keine Mütze in der Wohnung auf?“ oder auch immer wieder gern: „Meinst Du nicht, mit einem Milchfläschchen würde sie besser schlafen? Das Stillen macht doch nicht richtig satt…!“ Mein Lieblingsspruch allerdings ist: „Lässt Du sie nicht auch mal schreien? Sie hört irgendwann doch wieder auf.“ Und am nettesten ist die Aussage: „Also ich habe in der Babyzeit viel genäht, den Haushalt alleine gemacht und jede Menge eingekocht.“

Meine Aufregung rührt wohl daher, dass diese Fragen und Sprüche neben aller Fürsorge, die man bei gutem Willen gerade noch hineinlesen kann, vor allem implizieren, man mache es sich unnötigerweise zu schwer, sei irgendwie überspannt oder gar einfach unfähig. Diese ungebetenen Aussagen und Ratschläge kommen nicht etwa von Fremden oder weniger guten Bekannten, die nicht schon mit erlebt hätten, dass bisher drei Kinder bei mir überlebt haben und auch einen ganz zufriedenen Eindruck machen. Nein, diese Sprüche stammen von Müttern und Großmüttern. Und ich höre das auch nicht erst jetzt, sondern habe das bei jedem meiner Kinder mehr als einmal besprechen müssen. Also schon mehr als dreimal! Ich schreie gleich….

Was mich daran ärgert ist die Tatsache, dass z.B. meine Mama wohl nicht wirklich zuhört. Ich habe ihr schon in den ersten Monaten mit der Maus die durchaus vorhandenen Vorteile des Stillens erklärt und auch dargelegt, warum man heutzutage die Babys nicht einfach so schreien lässt. Und das alles auch noch mit Literaturquellen untermauert. Schließlich bin ich Juristin! Beim Mäuserich dann alles noch einmal von vorn. Aber es scheint nicht angekommen zu sein. Selbst mal ein Buch zum Thema gelesen hat sie offenkundig auch nie und dass ich für mich das Stillen, Tragen und Kuscheln eben so möchte, scheint kein Argument zu sein. Statt dessen höre ich ihre -sorry, Mama- veralteten Sichtweisen auch bei meinem dritten Kind wieder. Grummel!

Liebe Mütter und Großmütter, ich will Euch nicht noch einmal erzählen, was ich Minimaus wann und warum anziehe. Ich will nicht wiederholt die Vorteile des Tragetuchs erläutern und auch nicht noch einmal erklären müssen, warum ich trotz aller Anstrengungen stillen möchte. Ich will mich auch nicht dafür entschuldigen, dass ich Minimaus nicht schreien lassen kann und ich will mich nicht dafür rechtfertigen, dass ich einfach mit meinem Buch oder iPad auf dem Sofa hocke, lese und Minimaus auf meinem Arm beim Schlafen zusehe.

Wenn das so weitergeht, werde ich irgendwann doch mal ausfallend und schenke meiner Mama ein schlaues Buch. Vielleicht sollte ich eine Infomappe zu allen viel diskutierten Themen wie  Tragen, Stillen, Schreien, Verwöhnen…. zusammenstellen. Jeder, der mich dann mit wohlmeinenden Ratschlägen überfällt, bekommt einen Stehordner mit den Worten in die Hand gedrückt: „Erst lesen, dann reden.“  Oder… …ich lehne mich zurück, nicke freundlich und mache so weiter wie bisher. Schließlich meinen die Mütter es nur gut, doch ich weiß es für mich persönlich besser. Hah….

4 Kommentare zu „Das Kind hat kalte Füße…

  1. Hallo,
    diese Probleme kenne ich nur zu gut. Da ich keine Großeltern mehr habe, zwar „nur“ aus der Eltern-/ Tantengeneration, aber das reichte schon. Komischerweise sind gerade meine Eltern in allen anderen modernen Fragen sehr interessiert und aufgeschlossen, nur beim Umgang mit Babys und Kindern herrschen noch die althergebrachten Ansichten vor. Gelesen oder mal unvoreingenommen nachgefragt wird da nie.
    Das Schlimmste für mich war, dass meine Mutter im Prinzip mir bzw. uns mehr oder weniger direkt die „Schuld“ an unserem Schreibaby gegeben hat

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  2. Fortsetzung:
    Nachdem ich sie sowohl immer wieder aufgeklärt als auch höflich darum gebeten habe, dies zu unterlassen und sie trotzdem immer aufs Neue damit anfing, sagte ich ihr einmal klipp und klar, dass sie die Konsequenzen tragen muss, wenn sie nicht damit aufhört. Die Konsequenz hieß Kontaktabbruch. Seitdem war diesbezüglich Ruhe. Gedacht hat sie es sicherlich trotzdem weiterhin…
    Liebe Grüße,
    Frühlingskindermama

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  3. Kommt mir sehr bekannt vor. Jeder meint, einen mit guten Ratschlägen zu füttern. Ständig und ungefragt. Es gibt kaum etwas Privateres als Familie und Kindererziehung – und kaum etwas, wo einem so viel reingeredet wird von Außen. Das fängt an bei der Oma auf der Straße: Das Kind bracht doch eine Mütze! Ich kann es nicht mehr hören… Wenn es dann noch eigene Verwandte und Bekannte sind, nervt es umso mehr,. Denn die Omas auf der Straße kann man ignorieren oder ihnen zulächeln und einfach weitergehen. Ein Glück mischen sich meine Eltern wenig ein – aber selbst kleine Kommentare meiner Mutter bringen mich auf die Palme. Manchmal auch Ungesagtes. Aber wie gesagt ,ein Glück kommt das nur selten vor. Das reicht aber auch…

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  4. Du Arme. Und was soll ich sagen: Wenn Du Pech hast, hört es nach der Babyzeit nicht auf. Du sagst ja selber, es hat zum einen was mit (wenn auch verdreht ausgedrückter) Fürsorge für Dich zu tun, weil Du „es Dir so schwer machst“ und man Dir wünscht, dass Du es leichter hast. Aber ich denke, zum größeren Teil schwingt auch ein „aber wenn das stimmt, was Du sagst, dann hätte ich ja so vieles falsch gemacht mit meinen eigenen Kindern“ mit. Was man je nach Typ fröhlich laut bejahen kann 🙂 oder Bemerkungen macht wie „na ja, die Erkenntnisse ändern sich“. Ich glaub schon, dass Kinderhaben früher einfacher war, als die Kinder sich möglichst aus dem Sichtfeld der Erwachsenen verzogen haben. Oder man sie eben mal ne Weile schreien ließ, bis sie ruhig waren. Hatte eben auch andere Konsequenzen…

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