Von Mutter zu Mutter

© Oksana Kuzmina - Fotolia.com
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Ich finde Alinas Blog toll, besonders die Beiträge „Von Mutter zu Mutter“ sind eine klasse Idee und der letzte Beitrag vom 14.10. hat mich berührt. Die Situation, die die anonyme Schreiberin dort schildert, beschäftigt mich und meine nunmehr dritte Schwangerschaft scheint mir ein passender Zeitpunkt um aufzuschreiben, wie es mir beim ersten Kind als frisch gebackene Mama so erging:

Ich habe mit 33 das erste Kind bekommen und ich muss sagen, es war ein erschütterndes Ereignis. Das unabhängige Leben, wie ich es vorher geführt hatte, war damit für mich überraschend zu Ende. Vielleicht empfinden das nicht alle Mütter so, aber ich fühlte mich trotz der bewussten Familienplanung von einem Tag auf den anderen eingesperrt.

Ich war diejenige, die Elternzeit genommen hatte, weil mein Mann selbständig ist und sein Büro nicht einfach ein paar Monate schließen kann. Worauf einen kaum jemand vorbereitet, ist dieses Gefühl der totalen Abhängigkeit. Das Baby war darauf angewiesen, dass ich mich um seine Versorgung kümmere, mein Mann war darauf angewiesen, dass ich mich um das Baby kümmere und ich war fortan immer auf andere angewiesen, die mir das Baby abnehmen, wenn ich mal alleine sein wollte.

Auf einmal mussten wir alles miteinander absprechen, denn jede Verabredung, die wir für uns trafen und jede Stunde, die wir für uns alleine planten, betraf auf einmal unmittelbar den anderen. Der Partner muss in der Zeit schließlich das Baby übernehmen. Damit begann  auch mein Gefühl, mein Mann hätte mehr Zeit für sich als ich, jedenfalls Zeit außer Haus und unabhängig von den Essens- und Schlafenszeiten des Babys. Und es begannen die Gespräche darüber, wer mehr macht, weniger Schlaf bekommt, angebundener ist und überhaupt die schlechteren Karten gezogen hat. Ich fand natürlich, dass ich das war, denn ich stillte, konnte nur aus dem Haus, wenn ich das Baby mitnahm und hatte überhaupt das Gefühl, im Gefängnis zu sitzen, während mein Mann in der „Weltgeschichte herumspazierte“. Waren mir die Verabredungen und Pläne meines Mannes vorher so ziemlich egal solange wir auch noch gemeinsame Zeiten hatten, so rechnete ich ihm auf einmal jede Minute vor, die er „freier“ war als ich. Dabei war mir auch gleichgültig, ob er in der Zeit arbeitete oder einkaufte. Ich sah erst einmal nur, dass er seine Zeit selbst einteilen und alleine sein konnte.

Im Gespräch mit meiner damaligen Hebamme wurde mir auch klar, dass es -zumindest vorübergehend- in den meisten Familien so abläuft, dass der Mann als neuer Papa mehr nach außen orientiert ist, während sich die frisch gebackene Mama mehr zum Kind hin, d.h. nach innen orientiert. Leider scheint das überhaupt nicht meinem Wesen zu entsprechen, denn ich war nur unglücklich mit dieser Situation.

Die ersten Monate waren also trotz aller Liebe zur Maus und trotz aller Liebe zueinander für uns als Paar nicht gerade einfach. Wir haben viel geredet und diskutiert und auch ganz viel Geduld miteinander haben müssen. Für mich wurde es besser als die Maus ein paar Monate älter war, ich regelmäßig zum PeKiP und zum Yoga mit Baby ging und dort auf andere und vor allem gleichgesinnte Mütter (ja, es waren nur Mütter) traf. Es gab natürlich auch die Mamas, die in ihrer Rolle aufgingen und nicht verstanden, worin mein Problem lag. Aber ich habe auch andere Mütter kennengelernt, deren Selbstbild genausowenig allein in der Mutterrolle bestand und die die Elternzeit ebenfalls nur als vorübergehenden Daseinszustand betrachteten. Das entspannte mich ein wenig.

Wirklich gut wurde es aber erst, als ich nach einem Jahr wieder arbeitete und mein Mann und ich uns alle Aufgaben – und ich meine wirklich alle – teilten. Wahrscheinlich hatten wir uns inzwischen auch einfach an den neuen Lebensrhythmus und die damit verbundenen Aufgaben gewöhnt und wurden schon deshalb ausgeglichener.

Mir hat es zudem gut getan, dass mein Mann meine Zeit als Mama zu Hause nie so klassisch sah, wie ich es in der Zeit selbst empfand und wie ich es bei anderen Familien auch erlebte. Mein Mann sah diese Zeit als Ausnahmezustand und hat weder erwartet, dass ich nebenbei die häuslichen Pflichten erledige noch dass ich alle Termine rund um das Baby alleine bewältige. Natürlich habe ich vieles zu Hause übernommen, schließlich war ich vor Ort. Aber ich habe das nur gemacht, so gut es eben ging und vor allem wäre mein Mann nicht auf die Idee gekommen, in der Hinsicht irgendwelche Erwartungen an mich zu richten. Meine Aufgabe war das Baby und was von mir nebenher noch erledigt wurde, war super aber nicht selbstverständlich. Er war neben seiner Arbeit genauso für den Haushalt verantwortlich und jede U-Untersuchung wurde entweder gemeinsam wahrgenommen oder es wurde besprochen, wer das von uns machen will.

Vielleicht finden das jetzt einige unverständlich, aber für mich war und ist diese Grundeinstellung zueinander essentiell.

Was mir allerdings genauso viel geholfen hat war, mich mit meinem Coach zu treffen, der mich vorher auch schon in beruflichen Fragen beraten hatte. Wir haben viele Gespräche (ohne meinen Mann) geführt und Lösungen dafür gefunden, wie sich der Alltag als Mama noch ausgeglichener gestalten lässt, wie ich mit meinem Mann darüber sprechen kann, ohne ihn gleich in die „typisch Mann“ – Schublade zu stecken und wie ich mir vor allem meine Rolle als Mama und später wieder als berufstätige Frau so vorstelle. Dabei spielte auch der Satz: „Im Moment ist es so und so…“ eine Schlüsselrolle, denn wenn mich das „Gefängnissyndrom“ überfiel, tat es gut mich daran zu halten, dass der Alltag mit Baby nicht konstant bleibt sondern sich stetig verändert….

Beim Mäuserich in der zweiten Elternzeit dann war ich wesentlich entspannter. Wir hatten  bereits einen kindgerechten Alltag und wussten, was auf uns zukommt. Vor allem hatte ich schon einmal erlebt, wie schnell dieses erste Jahr, in dem man so sehr angebunden ist, vorübergeht und dass dieses kleinteilige „Herumgepuzzel“ im Babyalltag eben nur zeitweilig meine Tage bestimmt bis ich wieder arbeite und das Kind größer wird. Ich war dadurch eher bereit, mich darauf einzulassen und es zu genießen.

Letztlich sind wir über die Monate und Jahre in die Elternrolle hineingewachsen, haben viel über uns als Paar und als Eltern gelernt, haben auch viel über unser Rollenverständnis und darüber gelernt, wie wir als Mama/Frau oder Papa/Mann so sein wollen. Im Alltag hilft uns jetzt wohl auch, dass wir aufgrund unseres Naturells schon vor unseren Kindern viel Zeit ohne den anderen verbracht haben. Als Eltern ist die gemeinsame Paarzeit selten und man hat viel Organisatorisches um die Ohren. Da rutscht man ganz schnell in einen recht sachlichen Umgang miteinander ab. Wir haben uns trotzdem viel zu sagen und genießen die Zeit, die wir uns zu zweit abknapsen können. Manche Eltern fühlen sich zwischen dem Organisieren, Planen und Absprechen aber auch schnell nicht mehr als Paar und sind sich nicht mehr nahe. Wenn man für einen bestimmten Wohlfühllevel viel gemeinsame und vor allem romantische und unverplante Zeit benötigt, wird es mit Kindern eher schwierig. Ich denke, dass muss man über sich wissen und darüber reden können.

Was kann ich noch sagen oder raten? Ich denke, es wird ganz oft unterschätzt, was ein Kind für ein Paar bedeutet. Ich finde die Erwartung, dass ein Kind die Liebe komplettiert süß, aber Quatsch. Ein Kind belastet die Liebe. Vor allem wenn man als Paar nicht darauf vorbereitet ist und keinen Weg für sich findet, den Alltag mit Kind trotz der wachsenden Aufgaben, der Organisiererei und Planerei und mit all den Fragen, die sich an einen als Person damit stellen, schön zu finden. Die Euphorie der Schwangerschaft und der ersten Babywochen schwindet schnell und man spürt dann auf einmal ernüchternd, dieses Wesen geht nicht wieder weg und der gewohnte Energiepegel kommt nicht so schnell wieder. Das meine ich gar nicht so negativ, wie es vielleicht klingt. Ich finde nur, man kommt mit einem Kind an seine persönlichen Grenzen. Und dann ist die Frage, ob man diese Grenzen gemeinsam erforscht, auslotet und einen Weg hinüber findet oder ob man zusammen nicht weiter kommt. Das braucht dann eine eher nüchterne Betrachtung der Umstände und eine ehrliche Sichtweise darauf, wie man selbst so „tickt“. Was kann ich dem Familienleben abgewinnen und was eben nicht? Wer übernimmt welche Aufgaben lieber und was mag man gar nicht machen? Wieviel Zeit brauche ich für mich selbst und wer kommt besser mit weniger Schlaf aus? Was will ich neben Kind, Beruf und Partnerschaft noch von meinem Alltag? Welche kurzfristigen Lösungen findet man als Paar und welche Situationen lassen sich im Moment noch nicht ändern? etc.

Sich bei der Suche helfen zu lassen -sei es von einem Coach, Familienberater oder von gleichgesinnten Eltern- finde ich dabei nicht gerade dumm.

2 Kommentare zu „Von Mutter zu Mutter

  1. Wow, großartig wie du das Thema nochmal neu für dich aufgegriffen hast. Es ist mir eine sehr große Ehre,dass dich meine Themen von Mutter zu Mutter so ansprechen, das finde ich wirkich toll. Danke für deinen tollen Beitrag ❤

    Liebste Grüße Alina

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  2. Dumm ist eine solche Unterstützung durch einen Experten keineswegs, ganz im Gegenteil. Ich finde es sehr sinnvoll, sich einen Coach oder Familienberater zur Seite zu stellen, auch wenn ich in meinem Bekanntenkreis niemanden mit Erfahrungen diesbezüglich kenne. An dem Beitrag kann man aber gut erkennen, wie effektiv ein Coach unterstützen kann. Ich habe zwar noch keine Kinder, aber würde dies definitiv in Erwägung ziehen, besonders um meine Partnerin so gut wie möglich zu entlasten.

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