Pst, unsere Nachbarinnen wollen lesen…

tambourUnsere Nachbarinnen auf der Etage direkt gegenüber fand ich bislang ganz nett – wohl auch, weil ich sie kaum sehe. Eine von beiden sehe ich tatsächlich sehr selten und wenn, dann stürmt sie grußlos an uns vorbei. Die andere ist da schon etwas kommunikativer. Dieses Wochenende haben wir uns sogar überraschend häufig gesehen. Ihre Themen beim Aufeinandertreffen waren nur leider die lärmleitenden Metallfenster (Häh?), die Hitze unterm Dach (okay, da sollte man im Sommer schon mal die Außenrollos schließen) und der Lärm von Maus und Mäuserich im Hausflur (Oh je).

Sie versuchte das ganz nett zu machen, wirklich. Sie kam aus ihrer Wohnungstür als wir gerade gehen wollten und wies meinen noch nicht ganz 3jährigen Mäuserich darauf hin, dass er so laut sei, wie ihre Klingel bei offener Tür, was sie uns dann auch gleich einmal demonstrierte. Sie sah ein weiteres Mal an diesem Wochenende aus der Wohnungstür als wir gerade wieder heimkamen und wies den Mäuserich darauf hin, dass das Treppengeländer die Geräusche in ihre Wohnung leite. Und sie sah am folgenden Tag wieder aus ihrer Wohnungstür als der Mäuserich gerade versuchte seine sandigen Schuhe vor der Wohnungstür auszuziehen –wobei aus Frust ein paar Tränchen flossen- und erklärte dieses Mal schon weniger freundlich, dass er leise sein möge (Zitat: „Pscht!“).

Der Mäuserich guckte erst mit großen Augen und begann dann zu weinen – laut natürlich. Als ich nach dem Abstellen meiner Taschen dazu kam und fragend dreinschaute, versicherte sie mir, es sei nur Spaß. Aha. Ja, ja, ich verstehe den Ernst der Lage durchaus… Überrascht hat mich dann auch die mit Blick auf meinen Bauch vielleicht etwas zu hoffnungsvolle Feststellung meiner Nachbarin, dass wir dann ja sicherlich demnächst umziehen würden. Da musste ich sie leider enttäuschen.

Na klar sind wir eine Zumutung, vor allem für kinderlose Paare mit einer gewissen Lärmempfindlichkeit. Ich nehme auch gar nicht für mich in Anspruch, dass alle unsere lärmende Anwesenheit mögen müssen und sorge auch nach Kräften dafür, dass Maus und Mäuserich am Wochenende nicht vor 9.00 Uhr im Korridor auf und ab laufen, nicht im Hausflur ans Geländer schlagen oder gar in der Wohnung Fußball spielen. Ich weise meine Kinder auch darauf hin, dass nicht jeder Nachbar sofort hören muss, ob wir gerade kommen oder gehen („Vielleicht will gerade jemand etwas in Ruhe lesen!“) und lasse sie auch möglichst nicht lange herumschreien. Ich bemühe mich, ganz ehrlich.

Allerdings ist Kinderlärm auch bei allen Bemühungen und bei bester Bausubstanz nicht einfach so abstellbar und hängt auch nicht von der erzieherischen Kompetenz der Eltern ab. Die entgegengesetzte Ansicht lese ich noch viel zu oft in manchen (zugegebenermaßen unqualifizierten) Beiträgen zum Kinderlärm. Vieles ist einfach auch altersabhängig. Die Maus schreit schon lange nicht mehr grundlos im Hausflur, der Mäuserich ist da manchmal etwas übermütiger.

Sieht man sich die Gerichtsurteile zum Thema an, wird auch deutlich, dass Kinder mehr dürfen als viele Eltern glauben (schlimm genug, dass Kinderlärm Anlass für Gerichtsurteile bietet.). Klar wird aus all diesen Urteilsbegründungen -und das wissen auch alle Eltern nur zu gut- es sind und bleiben nun einmal Kinder. Auch meine beiden verstehen oft gar nicht, dass sie vielleicht zu laut sein könnten. Sie machen das selten mit Absicht. Und unser Haus ist sogar ein Neubau, die Bausubstanz hervorragend und jegliche Schallschutzmaßnahmen wurden ergriffen. Für meinen Geschmack ist es daher noch viel zu ruhig im Haus, auch wenn ich meine Nachbarn natürlich auch ab und zu beim Staubsaugen, Hund ausführen oder Besuch empfangen hören kann.

Trotz meines Wissens um die einschlägige Rechtsprechung neige ich angesichts der drohenden Lärmkritik dann doch öfter dazu, hektisch zu werden, wenn der Aufbruch mal etwas länger dauert und wir dann statt 3 auch mal 5 Minuten im Hausflur zu hören sind. Das führt allerdings eher dazu, dass Maus und Mäuserich ebenfalls nervös werden und sich der Aufbruch noch weniger harmonisch und vor allem noch weniger leise gestaltet.

In solchen Momenten muss ich an unseren wesentlich entspannteren Betreuer aus der KiTA denken, der einmal zu mir meinte: „Die anderen können auch mal Rücksicht auf die Kinder nehmen.“.

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