Schnullerfeen und andere zauberhafte Wesen

Sweet girl with butterfly wings.Der Papa findet, unser Mäuserich braucht keinen Schnuller mehr!

Ich bedauere das fast ein wenig, denn bisher war der Schnuller das ideale Beruhigungsmittel in Situationen mit hohem Frustrationspotential. Der Mäuserich sieht das ganz ähnlich, denn wenn etwas nicht so klappt wie gewünscht, verlangt er nach dem Schnuller: „Ich brauche den Schnuller!“. Natürlich hat der Papa Recht. Für die Zähne ist es besser ohne Schnuller und alt genug ist der Mäuserich mit fast 3 Jahren inzwischen auch. In der KiTa kommt er sogar schon ganz ohne den Schnuller aus, auch beim Mittagsschlaf.

Also beschließen wir, die Schnullerfee kommt uns besuchen. Der Mäuserich sucht sich auch etwas aus, was die Schnullerfee bringen soll – ein grooooooßes Polizeiauto- und nach mehrfachen Ankündigungen werden dann eines Abends die noch verbliebenen 4 Schnuller gemeinsam in einem Kästchen verpackt und der Schnullerfee zum Tausch angeboten. Wir stellen das Kästchen vor die Wohnungstür, denn es soll nicht der Eindruck entstehen, die Schnullerfee oder vergleichbare Wesen hätten ungehinderten Zutritt zu unserer Wohnung (das ist etwas, was unsere Maus eher verängstigt als beruhigt) und dann kann der „Entzug“ beginnen.

Der Mäuserich hält sich zunächst gut, bis auf einen kleinen Rückfall nach dem Sandmännchen: „Ich will kein Polizeiauto, ich will den Schnuller.“. Aber der Papa schafft es, ihn ohne Schnuller und mit überraschend wenig Protest zum Einschlafen zu bewegen. In der Nacht wacht der Mäuserich neben mir auf und verlangt den Schnuller. Ich vertröste ihn auf die Schnullerfee und beschwöre ihn, er brauche den Schnuller doch gar nicht mehr. Daraufhin schimpft er lauthals mit mir und wechselt aus Protest und Unruhe zum Papa. Aber auch dort will der Schlaf nicht so recht wieder kommen und der Mäuserich wandert aus – zu seinem Lieblingsplatz auf der Fensterbank. Dort schläft er dann auch erschöpft und missmutig wieder ein, was uns allerdings eine unruhige Nacht beschert, weil wir zwar alles abpolstern, ihn aber dennoch schon dort herunterfallen sehen.

Nun gut, auch diese Nacht geht vorüber und der Mäuserich ist von seinem neuen Polizeiauto begeistert. Die Maus verkneift sich, ihm zu „stecken“, dass das Auto vom Papa gekauft wurde und der Tag beginnt friedlich. Zur Mittagsschlafzeit hin wird der Mäuserich indes knatschig, sehr unleidlich und will seinen Schnuller. Auf meinen Hinweis, dass die Schnullerfee die Schnuller nun mitgenommen und dafür das total coole Polizeitauto da gelassen habe, will er das Auto wieder umtauschen. Auch die Erklärung, er sei ja nun schon größer und brauche keinen Schnuller mehr, lässt er nicht gelten: „Ich bin nicht droß, bin noch klein.“ Die Mitteilung, dass ein Rücktausch dennoch nicht mehr möglich sei, wird mit lautem Gebrüll beantwortet und der Mäuserich bleibt den Rest des Tages unzufrieden und „anstrengend“.  Zum Glück nimmt er die nun doch noch kommende Eröffnung seiner großen Schwester, dass es die Schnullerfee gar nicht gebe, nicht wirklich ernst, ist aber den Rest des Tages abwechselnd auf mich, den Papa und die Schnullerfee sauer.

Das Einschlafen abends klappt dann trotzdem überraschend gut. Leider wird der Mäuserich auch dieses Mal in der Nacht wach und verlangt weinend nach dem Schnuller. Wieder fällt mir nichts anderes ein, als ihn zu trösten und darauf zu verweisen, dass die Schnullerfee doch das tolle Polizeiauto gebracht habe und der Mäuserich flieht in Papas Arme. Dort schläft er zum Glück gleich wieder ein, ist allerdings morgens extrem früh wach und weder zum Wiedereinschlafen noch zum Kuscheln zu bewegen. Dieser Tag beginnt mit einem missmutigen und viel schimpfenden Mäuserich.

Der Papa hatte zwar die Idee zur Schnullerentwöhnung, überraschenderweise ist der Mäuserich aber eher auf mich sauer und sucht seinen Trost gerade nur beim Papa. Ich hoffe, der Mäuserich gewöhnt sich schnell an die neue Situation und findet für sich einen  Weg, mit den Ärgernissen des Alltags auch ohne Schnuller umzugehen. Vielleicht kann auch die KiTa etwas dabei helfen, denn die geliebten Betreuerinnen lobten ihn beim Bringen heute überschwenglich und herzlich dafür, dass er nun kein Schnullerkind mehr ist.

Die Maus weiß inzwischen, dass es eine Schnullerfee und auch den Weihnachtsmann und Osterhasen nicht gibt, hält jetzt aber nach einer kleinen Unterredung ihrem kleinen Bruder gegenüber „dicht“. Es ist fast schon ein wenig schade, dass sie daran selbst nicht mehr glaubt. Sie hat diese Figuren allerdings schon recht früh hinterfragt und wir sahen uns nicht in der Lage, diese Fantasien künstlich aufrecht zu erhalten. Sie hat sich quasi selbst aufgeklärt. Wir versuchen dennoch, ihr die damit verbundenen Werte, Traditionen und auch Heimatgefühle weiterhin zu vermitteln.

Zudem habe ich den Eindruck, dass andere Fantasiegestalten diesen seelischen Platz jetzt besetzen wie z.B, Wald- und Blumenfeen und das ist gut so. Diese „himmlischen Winkel“ braucht die kreative Kinderseele meiner Meinung nach. Es muss etwas außerhalb des Planbaren und Kalkulierbaren geben. Ich lasse das deshalb auch unbedingt so stehen und beantworte ihre Fragen zwar ehrlich, lasse aber auch Raum fürs Ungewisse, Magische und Märchenhafte: „Ich habe noch keine Fee gesehen, aber das heißt nicht, dass es sie nicht gibt.“.

 

Ein Kommentar zu „Schnullerfeen und andere zauberhafte Wesen

  1. Schöner Text!! Wir haben es damals mit dem Schnullerbaum geschafft…in Göttingen gibt es jedes Jahr das Schnullerbaumfest. Die Kinder werden mit einer Hebebühne zum Baum hoch gefahren, dürfen ihren Schnuller dort hineinhängen und bekommen eine Urkunde. Das war total toll!!! Er war selber stolz. Wir haben ihm dann auch noch etwas geschenkt und sich essen gegangen. So richtig feierlich. Und obwohl er vorher abolut süchtig nach seinem „Onni“ war, war es sofort kein Problem mehr. Wir sind ein paar Tage später auch in den Urlaub geflogen, was sicher auch dazu beigetragen hat, dass er völlig in Vergessenheit geriet….Liebe Grüße an dich!

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