martamam zwischen Beruf und Mäusekindern

© FFCucina Liz Collet - Fotolia.com
© FFCucina Liz Collet – Fotolia.com

( „Vereinbarkeitsgeschichten“ im Vereinbarkeitsblog)
Im Vereinbarkeitsblog wird aktuell dazu aufgerufen, seine Vereinbarkeitsgeschichte zu erzählen. Weil ich das Thema immer wieder wahnsinnig interessant finde und deshalb auch äußerst gerne darüber lese, wie andere Familien ihren Weg zur Vereinbarkeit leben und finden, möchte ich mich daran beteiligen. Hier also meine bisherigen Modelle der Vereinbarkeit:

Erstes Kind und Beruf mit Promotion
Meine Geschichte beginnt 2008 mit der Geburt meines ersten Kindes (die Maus). Nach einem Jahr Elternzeit habe ich  wieder begonnen zu arbeiten. Ich bin Juristin und musste aufgrund eines Firmenverkaufs nach 8 Jahren Berufstätigkeit und einem Jahr Elternzeit eine neue Arbeitsstelle finden. Das war mein Einstieg in den öffentlichen Dienst. In den ÖD wollte ich eigentlich nie, aber letztlich stellte es sich als Glücksgriff heraus.

Ich hatte dort zunächst eine unbefristete, halbe Stelle. Da ich jedoch sofort eine Elternzeitvertretung übernommen habe, habe ich von Anfang an in Vollzeit gearbeitet. In der Zeit begann ich auch nebenberuflich zu promovieren. Der öffentliche Dienst war aufgrund der Gleitzeitenregelung und dem Credo, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert werden muss, ideal für meinen Einstieg in das Leben mit Beruf und Kind. Mir ist es dennoch am Anfang sehr schwer gefallen. Den längeren Arbeitsweg von mindestens 50 Minuten je Strecke und das schlechte Gewissen, meine Maus so lange Zeit des Tages in der Kita zu lassen, fand ich doch sehr nervenaufreibend. Wir haben uns dann aber alle schnell an die neue Situation gewöhnt und ich war froh, eine berufliche Perspektive zu haben.

Als meine Kollegin dann aus der Elternzeit zurück kam und sie selbst nicht gleich wieder Vollzeit arbeiten wollte, konnte ich mit 75 % weiterarbeiten. Das fand ich für mein Promotionsvorhaben ideal, denn so hatte ich einen Tag in der Woche zur freien Verfügung. An dem Tag habe ich entweder an der Promotion gearbeitet, Termine mit der Maus oder eigene Arzttermine wahrgenommen oder auch mal einfach nichts getan. Für mein Bedürfnis nach mehr Selbstbestimmung war das sehr gut.

Zweites Kind und Promotion
2011 kam dann mein zweites Kind (der Mäuserich) zur Welt und ich habe ein halbes Jahr pausiert, mich nur um den Mäuserich gekümmert und die Babyzeit genossen. Die Maus ging (auch auf eigenen Wunsch) weiterhin täglich in die Kita und wir waren alle ganz glücklich mit unserer verfügbaren Zeit. Mit 7 Monaten kam dann auch der Mäuserich in die Kita und ich habe ganztags an meiner Promotion weiter gearbeitet.

Diese Zeit fand ich richtig schön, denn ich konnte selbstbestimmt arbeiten, auch mal Zeit alleine verbummeln oder meine Kinder den ganzen Tag bei mir haben, wenn ich es wollte oder wegen Krankheiten musste.

Vollzeit mit Promotion und 2 Kindern
Nach einem Jahr Elternzeit begann ich wieder zu arbeiten. Dieses Mal tatsächlich nur mit den 50%, die mein Arbeitsvertrag vorsah. Daher hatte ich weiterhin auch Zeit für die Promotion. Ich hatte mich jedoch schon aus der Elternzeit heraus auf eine andere Arbeitsstelle beworben, denn mittelfristig gesehen wollte ich auf keinen Fall bei einer 50% – Stelle bleiben. So habe ich dann schon 3 Monate nach dem Wiedereinstieg erneut eine Elternzeitvertretung übernommen, damit auch die Behörde gewechselt und wieder Vollzeit gearbeitet.

Als diese Zeit dem Ende zuging, ergab sich die Chance auf einen weiteren Wechsel in die nunmehr dritte Behörde. Die vorangegangene Stelle war dafür das passende Sprungbrett und ich habe diese Chance genutzt. Seitdem arbeite ich nun also im ÖD auf einer unbefristeten Vollzeitstelle.

Jetzt vollzeitnah mit zwei Kindern
Inzwischen arbeite ich vorübergehend 34 Wochenstunden (mit der Option jederzeit zur Vollzeit zurück zu kehren), habe mein Promotion abgeschlossen und erwarte das dritte Kind. Mal sehen, wie ich die Arbeitszeiten dann gestalten werde.

Betreuung
Betreut wurden die Maus und der Mäuserich immer in der Kita oder eben von meinem Mann, dem Vater der Kinder. Mit dem Platz in der KiTa hatten wir nie ein Problem. Unsere Wunsch-KiTa hatte sofort einen Platz für die Maus und für den Mäuserich als Geschwisterkind dann auch. Kitazeiten sind täglich von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr. Das ist wohl der Vorteil der Großstadt. Da wir bis jetzt keine Verwandten in der Nähe haben,  haben wir uns nach der Geburt des Mäuserichs zusätzliche Unterstützung von einer Babysitterin geholt und durch die Kontakte zu anderen Eltern aus der Kita auch hier Freunde und Hilfe gefunden.

Im Sommer dieses Jahres kommt die Maus nun zur Schule. Die langen Ferienzeiten werden noch einmal eine Herausforderung für uns und nicht ohne Ferienbetreuung aufzufangen sein. Aber im Herbst zieht nun auch meine Mutter zu uns in die Nähe, weil sie mit gerade erst 61 Jahren recht jung in Pension geht. Das wird einige Erleichterung mit sich bringen, denn sie ist zu allen „Schandtaten“ bereit, wird einen Großteil der Ferienzeiten und auch mal zwei und später drei Kinder auf einmal übernehmen.

Stillen
Gestillt habe ich jeweils ein Jahr lang. Die Maus hat sich entgegen aller Sorgen und Bedenken mit ca. einem Jahr selbst abgestillt, was dann mit dem Kitastart gut zusammenpasste. Den Mäuserich haben wir mit 5 Monaten langsam an Beikost gewöhnt, damit er in der Kita unabhängig von der Muttermilch versorgt werden konnte. Gestillt habe ich ihn dann noch in den Zeiten zu Hause oder eben gleich beim Abholen. Mit dem Arbeitsbeginn nach einem Jahr hatte auch er sich dann selbst abgestillt. Insofern hatte ich nie ein Problem, das mit den Arbeitszeiten zu koordinieren.

Aufgabenteilung
Mein Mann und ich teilen uns alle Aufgaben gleichberechtigt auf. Das funktioniert gut, weil er selbstständig und zeitlich recht flexibel ist. Er hilft genauso im Haushalt wie bei der Kinderbetreuung und wir haben jeweils feste Abholtage vereinbart, an denen der andere dann länger im Büro bleiben kann. Bei terminlichen Engpässen wird das Abholen und Bringen individuell abgestimmt und notfalls auch unsere Babysitterin eingespannt.

Krankheitstage teilen wir uns ebenfalls auf und übernehmen sie je nach Termindruck abwechselnd. Zum Glück hat mein Mann jetzt auch eine Krankenkasse gefunden, die die Kinderkrankentage auch bei Selbstständigen übernimmt. Wobei ich im ÖD bisher nie Probleme hatte, mich im Notfall mit den Kindern krank zu melden und mein Mann als Selbständiger da eher mal terminliche Schwierigkeiten bekommt. Daher bin ich es meistens, die diese Tag auffängt und er überträgt mir notfalls seine Kinderkrankentage.

Die Aufgaben werden natürlich auch schon mal je nach Vorlieben übernommen oder eben nicht. Mein Mann hat die familiären Termine leider überhaupt nicht im Blick, dafür kümmert er sich aber um vieles andere, was ich wiederum ungern tue. Ich denke, das gleicht sich am Ende wieder aus, auch wenn es Tage gibt, an denen man das ganz und gar nicht so sieht.

Was sollte anders laufen?
Ich kann manchmal schwer umschalten zwischen der Arbeit und den Kindern. Daher bin ich oft mit dem Kopf noch bei anderen Dingen während ich die Maus und den Mäuserich aus der Kita abhole und wir danach noch etwas unternehmen.  Da fehlt mir dann oft die nötige Geduld und Gelassenheit mit ihnen, weil ich noch im „Effizienzmodus“ meiner Arbeit bin. Aber ich übe, mich innerlich dann auf meine Mäuse einzustellen und alles andere auszublenden und werde allmählich auch besser darin. Mir hilft es dabei, innerlich ein Zeitfenster für Maus und Mäuserich festzusetzen, in dem nichts anderes wichtig ist bis sie im Bett sind. Aber ganz oft erledige ich dann doch schon mal etwa sim Haushalt, wenn bei gerade so schön miteinander spielen und mich gerade nicht brauchen. Da versuche ich mich aber dann auch innerlich davon frei zu machen, schon alles schaffen zu müssen.

Manchmal denke ich auch, bei etwas mehr Disziplin und einem früherem Arbeitsbeginn könnte ich meine Kinder auch früher aus der Kita abholen. Andererseits müssten sie dann auch früher starten als bisher. Das gleicht sich dann auch wieder aus und belastet sie erfahrungsgemäß weniger als mein mütterliches Gewissen. Solange wir nach der Kita noch ein paar Stunden zusammen verbringen, ein Eis essen gehen oder uns auf dem Spielplatz herumtreiben, sind sie ganz zufrieden.

Schwieriger wird es immer dann, wenn wir zusätzlich noch Nachmittagskurse wie Kindertanzen, Instrumentenkurs oder Schwimmen gebucht haben. Das haben mein Mann und ich versucht, abwechselnd zu übernehmen. Es kostet uns aber auch Arbeitszeit, die nachgeholt werden muss. Bisher betrifft das nur die Maus. Das wird aber sicherlich mehr, wenn der Mäuserich an solchen Dingen auch mehr Interesse zeigt. Dafür sind meine derzeitigen 34 Wochenstunden genau richtig, denn anders könnte ich fehlende Arbeitszeit kaum nachholen. Bislang war das Interesse an den Kursen bei der Maus aber nicht besonders nachhaltig und so haben wir letztlich auf alles zusätzliche verzichtet. Bisher vermisst sie da neben den vielen Kitaaktivitäten auch nicht wirklich etwas. Mal sehen, was uns die kommende Schulzeit diesbezüglich noch bringen wird.

Meine Vereinbarkeitsmodelle im Überblick:

Ich habe also einige Arbeitszeitmodelle seit der Mausgeburt ausprobiert
–          8 Monate Vollzeitarbeit mit Promotion und Maus
–          1,5 Jahre 75 % -Arbeit mit Promotion und Maus
–          6 Monate Elternzeit mit Maus und Mäuserich
–          6 Monate Vollzeit-Promotion mit Maus und Mäuserich
–          3 Monate 50% – Arbeit mit Promotion, Maus und Mäuserich
–          1 Jahr Vollzeit mit Promotion, Maus und Mäuserich
–          1 Jahr vollzeitnah (34 Wochenstunden) mit Maus und Mäuserich

Mein bisheriges Fazit
Ich finde die derzeitige Situation mit vollzeitnaher Tätigkeit bei zwei Kindern und ohne weitere Projekte (Promotion ist abgeschlossen) entspannt. Manchmal fehlt mir mehr Zeit für mich alleine, ohne Kinder und Verpflichtungen, nur so zum Genießen. Manchmal fehlt mir auch die Perspektive auf ein neues, eigenes und selbstbestimmtes Projekt.

Allerdings waren die Zeiten vorher natürlich Kräfte zehrender, aber durch meinen lieben, tatkräftigen Mann auch gut zu schaffen. Allerdings glaube ich, dass die Maus und der Mäuserich die Situation jetzt auch besser finden, weil wir als Eltern zeitlich weniger angebunden und dadurch insgesamt entspannter sind.

Wir haben sehr gute Voraussetzungen, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Die Betreuung in der KiTa ist super, meine Kinder sind durchschnittlich oft bis selten krank, die Arbeitszeiten im ÖD sind flexibel und bei Bedarf kann ich auch Homeoffice-Tage einlegen, was ich bisher selten in Anspruch genommen habe. Mein Mann muss zwar als Selbstständiger ganz oft abends noch arbeiten, aber dafür kann er tagsüber Termine wahrnehmen, die zu koordinieren mir aufgrund der Kernarbeitszeiten schwer fallen würde. Dafür kann ich im Büro vor 9.30 Uhr und nach 15.00 Uhr flexibel kommen und gehen. Es ist natürlich auch so genügend zu tun und immer bleibt etwas liegen oder es dauert lange, bis es erledigt wird.

Was sich bei uns dennoch nicht gut miteinander vereinbaren lässt, sind:

–          Freunde ohne Kinder
(Es ist schwieriger geworden, sich ohne Kinder regelmäßig zu treffen und leider sind nicht alle kinderlosen Freunde dazu bereit, sich mit uns auf den Spielplatz zu setzen oder die Kindergeräusche im Hintergrund für ein Schwätzchen mit uns zu ertragen. Ich kann leider, leider, leider auch dem Zeitbedürfnis meiner besten und kinderlosen Freundin nicht mehr gerecht werden.)

–          Zeit für mich alleine
(Ich habe zu wenig Zeit, die ich selbstbestimmt gestalten kann, das fehlt mir sehr und ließe sich wohl nur mit einer weiteren Arbeitszeitreduzierung realisieren. Das ist aber auch wieder eine finanzielle Frage und ich habe die richtige Balance da noch nicht gefunden.)

–          Zeit mit meinem Mann
(Die gemeinsame Zeit kommt definitiv zu kurz, zum Glück sind wir beide recht genügsam und freuen uns schon, wenn wir abends mal bei einem Glas Rotwein reden können, ab und zu den Babysitter für ein Abendessen auswärts engagieren und ansonsten gemeinsame Zeit mit Maus und Mäuserich verbringen. Mehr Zeit zu zweit ist später im Leben wieder dran).

–          der Haushalt
(Es bleibt immer etwas liegen und ich habe das Gefühl, niemals, niemals fertig zu werden. Die Wäsche türmt sich meistens und wenn sie es nicht tut, habe ich den ganzen Abend nur damit verbracht. Die Fenster könnten wesentlich öfter mal geputzt werden und gewischt wird auch nicht jede Woche. Aber wir schaffen es zusammen ganz gut und unsere Wohnung ist nicht klinisch rein aber doch grundsätzlich sauber. Besuch kann also jederzeit kommen.)

Alles in allem könnte es uns schlimmer treffen. Ich habe meinen geliebten Beruf, finanzielle Unabhängigkeit und eine berufliche Perspektive. Ich darf Zeit mit meinen Kindern verbringen und habe einen tollen und pragmatischen Mann, den ich über alles liebe. Ich könnte mir diesen Spagat zwischen einer Familie mit bald drei Kindern, dem Beruf und allem anderen nur mit ihm vorstellen und denke, wir machen es ganz gut.

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