Das dritte Mal schwanger und alles bleibt anders…

pregnant woman on a white background© Kostia - Fotolia.com

Ein paar Gedanken zum Schwangersein

Ich bin mit dem dritten Kind schwanger und daher momentan in einer gefühlsduseligen Stimmung. Deshalb muss das hier jetzt mal ausgesprochen oder besser aufgeschrieben werden:

Auch die dritte Schwangerschaft nehme ich nicht selbstverständlicher als meine ersten beiden. Okay, ich bin nicht mehr ganz so unerfahren und auch nicht mehr ganz so nervös vor dem, was da auf uns zukommt. Ich habe keine Angst mehr vor der Entbindung und habe meine Beleghebamme dieses Mal rechtzeitig kontaktiert. Meine Mutter wird nach ihrer Pensionierung im Herbst aus der Ferne zu uns in die Nähe ziehen und wir haben auch ansonsten ein funktionierendes Netzwerk aus Kita, Eltern und Babysitter. Ich bin inzwischen auch viel gelassener im Umgang mit den Fragen, die ich mir jetzt noch nicht beantworten kann (Wie wird es mit drei Kindern sein? Werden wir genug Platz, Energie und Zeit haben? Werde ich allen Kindern gerecht werden können?…) Ich weiß, dass sich die Antworten zu gegebener Zeit einstellen werden und sich vieles lösen lässt, wenn es soweit ist.

Aber manche Gedanken und Sorgen ändern sich auch beim dritten Mal nicht. Ich hatte in der letzten Woche meinen 2. großen Ultraschall. Nach Nackenfaltenmessung und Panoramatest war auch dieses Screening jetzt unauffällig. Es ist also alles gut. Vor den Terminen stellt sich aber jedes Mal die große Nervösität ein und jedes Mal, wenn mein Arzt vor dem Ultraschallgerät verstummt, fürchte ich schlechte Nachrichten. Mein Mann, der mich begleitet, kompensiert diese Anspannung mit schlechten Witzen und unsensiblen, aber lustig gemeinten Sprüchen. Ich kenne das schon -ja genau- aus den beiden Schwangerschaften vorher. Ich verstehe ihn und glaube, er ist noch weitaus nervöser als ich. Wir gehen deshalb nach den Vorsorgeterminen erst einmal zum Bäcker an der Ecke auf ein Franzbrötchen und einen Kaffee und lassen die Eindrücke des Arztbesuches ein wenig sacken bis uns der Alltag wieder einholt.

Ich mag dieses kleine Ritual sehr, denn es bleibt ansonsten kaum Zeit, diese Schwangerschaft richtig wahrzunehmen und gemeinsam bewusst zu erleben.

Das ist jetzt also doch anders als in der ersten Schwangerschaft. In der konnte ich noch die Couch belagern, so oft und so lange wie ich es brauchte, hatte meinen Mann ganz für mich alleine, konnte an den Wochenenden ausschlafen, nach der Arbeit ausgiebig für das Baby shoppen gehen und jede Menge Schwangerschaftskurse besuchen. Sind schon ein oder inzwischen zwei Kinder da, ist das nicht mehr so. Die Zeit fliegt dahin und die Schwangerschaft, zum Glück bislang beschwerdefrei, läuft so nebenher. Fast!

Aber eins ist dabei ganz großartig – es gibt jetzt zwei nahestehende Menschen mehr, die sich unheimlich auf das Baby freuen. Meine Maus stellt viele Fragen dazu, was das Baby im Bauch hört oder isst und bietet schon jetzt ihre Hilfe für die Zeit an, wenn das Baby da ist: „Wenn Papa und Du mit dem Baby beschäftigt sind, können der Mäuserich und ich fegen und aufräumen. Ich habe das gestern in der Kita auch gemacht.“. Und der Mäuserich stellt mit Blick auf meinen wachsenden Bauch immer mal wieder verblüfft fest: „Da ist ein Baby in Mamas Bauch.“.

Wenn ich mir diese beiden wunderbaren Wesen so anschaue, weiß ich nicht mehr, wie ich jemals glauben konnte, mein Leben hätte nur Platz für ein Kind. Das habe ich tatsächlich gedacht als meine Maus auf die Welt kam. Ich fand die plötzliche Fremdbestimmung erdrückend und habe das Stillen gehasst. Stillen bedeutete zusätzliche Abhängigkeit dieses kleinen Menschleins von mir und meinen Brüsten. Mein Mann bot keine Alternative dazu, weil die Maus das Fläschchen nie nahm. Ich war plötzlich den ganzen Tag alleine zu Hause und sollte dafür sorgen, dass das Baby alles hat, was es braucht. Wie habe ich meinen Mann beneidet, der kommen und gehen konnte, wie er will. Er hat uns natürlich umsorgt und Einkäufe erledigt etc., aber er war nicht an feste Zeiten und schon gar nicht an ein hilfloses Baby gebunden. Nun ja, nach dem ersten „Schock“ habe ich mich an das Mamasein gewöhnt. Nach dem ersten Kind sollte es dann doch noch ein Geschwisterchen geben, was ich mir um den zweiten Geburtstag der Maus herum auch allmählich vorstellen konnte. Und weil mein Mann so wunderbar ist und sich als Jüngster von drei Brüdern schon immer mit mehr als zwei Kindern gesehen hat, kommt also bald unsere Nummer 3 dazu.

Jetzt suche ich mir meine kleinen Freiräume dort, wo sie sich bieten und habe meinen Ausgleich für die „Freiheitsberaubung“ in diesen herrlich kuscheligen, nach Babyshampoo duftenden, neugierigen und aufgeweckten Kindern. Es ist anstrengend und schön zugleich. Und in meinen Augen gibt es nichts vergleichbar nerviges und dennoch so erfüllendes.

Wenn mir das jemand vor 6 Jahren erzählt hätte, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt.

 

 

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