Späte Eltern

Ich habe mich nie so gefühlt, aber seit unseren Überlegungen zu einem dritten Kind weiß ich es. Ich bin eine „späte Mutter“. Mein Mann ist 8 Jahre älter als ich und also schon lange ein „später Vater“. Wir sind „späte Eltern“. Ich habe mit 33 die Maus und mit 36 den Mäuserich bekommen. Das dritte Mäuslein wird zur Welt kommen, wenn ich 39 bin. Das ist knapp unter der 40. Für viele die absolute Altersgrenze in der Kinderfrage, wenn ich sie nicht gar mit 35 schon längst überschritten hatte. In manchen Foren zum Thema gelte ich mit 39 schon als alt und meine Schwangerschaft gleicht einem 6er im Lotto.

Ich habe zum Glück einen klugen und sensiblen Gynäkologen, der mich als Antwort auf meine Fragen zu den Chancen und Risiken einer dritten und soooo späten Schwangerschaft nicht auf allgemeine Statistiken sondern auf meine ganz persönlichen Voraussetzungen verwiesen hat. Ich sehe ein, dass die Fruchtbarkeit mit dem Alter sinkt und ich weiß auch, dass in meinem Alter statistisch gesehen eine höheres Risiko für ein Kind mit Behinderungen besteht. Dennoch ist das ganz persönliche Risiko noch einmal ein anderes und meine Voraussetzungen waren und sind gut.

Das wir immer später Eltern werden ist laut einem -wie ich finde recht interessanten- Artikel des Spiegels (Ausgabe 17/2014, S. 32 ff.) ein „Segen für die Gesellschaft und gleichzeitig ihr Fluch“. Man kann das sehen wie man will, ich fand den Zeitpunkt zum Kinderbekommen für meine persönliche Biographie sehr gut. Mein Studium hatte ich abgeschlossen und 7 Jahre in meinem Beruf gearbeitet bevor die Maus kam. Nach einem Jahr Elternzeit habe ich die Arbeitsstelle gewechselt und nebenberuflich mit meiner Promotion begonnen. Daran habe ich dann zunächst zwei Jahre und auch in der zweiten Elternzeit mit dem Mäuserich weiter gearbeitet. Wieder nach einem Jahr Elternzeit bin ich in den Beruf zurückgekehrt. Dann noch einmal ein Stellenwechsel, der mir neue Erfahrungen und den Einstieg in meine derzeitige Wunschstelle verschafft hat. Inzwischen ist meine Promotion abgeschlossen und ich werde nach einer insgesamt zweijähriger Arbeitsphase in die dritte Elternzeit gehen. Der Plan ist, nach einem Jahr Elternzeit wieder an meinen Arbeitsplatz zurückzukehren. Vielleicht dann nicht mehr in Vollzeit sondern in Teilzeit. Das werden wir sehen.

Vielleicht wäre ich beruflich genauso da angekommen, wo ich jetzt bin, wenn ich meine Kinder früher bekommen hätte. Vielleicht aber auch nicht. Meinen Mann habe ich „erst“ mit 28 kennen gelernt. Wir haben nach 5 Jahren geheiratet und dann also die Familienplanung begonnen. Mein Mann war inzwischen auch in einem Alter, in dem er sich definitiv binden und eine Familie gründen wollte. Das hat mir so manche Entscheidung leichter gemacht, denn er war sich in der Kinderfrage immer sehr sicher. Der Weg war für uns rückblickend betrachtet genau richtig. Vor allem aber wären uns die Überlegungen zu einem weiteren Kind ohne meine/unsere berufliche und damit auch finanzielle Grundlage wohl sehr viel schwerer gefallen.

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