Das dritte Kind

© Sunny studio - Fotolia.com
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Als ich damit begann, unsere Bekannten, Freunde und Kollegen über meine Schwangerschaft zu informieren, bin ich oft mit der spontanen Frage konfrontiert worden:
„War das geplant?“. Um die Antwort vorweg zu nehmen, ja, das war es. Ein Wunschkind, gewollt und ganz bewusst geplant.
Und daran schloss sich dann oft auch schon die nächste Frage an: „Warum? Ihr habt doch schon zwei und dazu auch noch ein Mädchen und einen Jungen!“.

Ja, warum? Vielleicht interessiert das noch andere und ich will mal versuchen unseren Entscheidungsprozess nachzuzeichnen. Das war natürlich keine Entscheidung von heute auf morgen. Dazu sind mein Mann und ich schon von Berufs wegen zu sehr Kopfmenschen und eher rational veranlagt.

Und es stellen sich bei der Frage dann auch sofort vernunftorientierte Fragen ein wie z.B.: “ Wollen wir noch einmal von vorne anfangen?“ und „Können und wollen wir uns ein weiteres Kind leisten?“. „Aber“, werden jetzt einige sagen: „Das kann man doch letztlich nur emotional beantworten, denn Gründe dagegen gibt es doch heutzutage viel mehr als dafür.“.
Dagegen kann ich auch nichts einwenden. Als wir das erste Mal über ein drittes Kind sprachen, kam bei mir dann auch ganz deutlich das Herz ins Spiel. Dennoch waren sofort auch alle Gegenargumente in meinem Kopf und ich hielt es zunächst für vernünftiger, es bei zwei Kindern zu belassen. Es gab da so viel zu hinterfragen, beispielsweise ob wir die Babyzeit noch einmal von vorne beginnen und die Zeit für persönliche Freiheiten noch einmal nach hinten verlagern wollen, ob wir genug Platz und Hilfe haben werden, ob wir nach zwei Kindern noch genügend Kraft für ein weiteres Kind haben, ob wir nicht allmählich auch zu alt dafür sind etc.

Ich habe quasi als „Forschungsprojekt“ alle „greifbaren“ Mehrfacheltern in meinem Umfeld befragt und mir hat deren Einstellung immer sehr gut gefallen.

Es gibt die Paare, die sich schon vor dem ersten Kind darüber klar sind, dass sie mehr als zwei Kinder haben wollen. Sie kannten es von zu Hause und haben ihre Geschwister selbst nicht als „Konkurrenten um elterliche Ressourcen“ sondern als Bereicherung, sicheren Rahmen und Rückhalt im Leben empfunden. Das wollen sie für Ihre Kinder also auch. Natürlich wurde auch darüber geredet, was mehrere Kinder im Unterschied zu ein/zwei Kindern vielleicht nicht haben z.B. kam der Gedanke auf, dass die älteren Geschwisterkinder im Alltag zwangsläufig recht früh Verantwortung für die jüngeren übernehmen oder dass man eben nicht den teuren Familienurlaub machen kann, sondern in manchen Jahren auch einfach „nur“ die Oma oder andere Verwandte besucht. Was mir allerdings einmal besonders gut gefallen hat, war die Einstellung, dass das Leben um die Kinder „herumgestrickt“ wird und nicht zuerst geprüft wird, ob und wie viele Kinder ins „fertige“ Lebensmodell passen. Also der Wunsch nach mehreren Kindern (und ein gewisse berufliche und damit auch materielle Basis) war zuerst da und dann wurde geschaut, wie man sich das Leben mit den Kindern gestaltet. Da passt z.B. auch mal das Haus nicht zur Größe der Familie und man arrangiert sich mit dem, was man hat oder ändert eben das, was man ändern kann. Kompromisse sind da sicherlich meistens nötig.

Und dann gibt es die Paare wie uns, die erst einmal mit einem Kind beginnen, dann ein Geschwisterchen dazu bekommen und dann aus Spaß und Freude an den Kindern weiter machen. Mein Mann hat selbst zwei Brüder und daher die Konstellation mit drei Kindern ohnehin nicht von vornherein für sich ausgeschlossen. Dennoch gab es in dem einen Jahr, das wir für unsere Entscheidungsfindung brauchten, auch Zeiten in denen ich bei JA und er bei NEIN und umgekehrt war. Meistens waren das Zeiten besonderer beruflicher Belastung und der Energielevel daher ganz unten. Das sprengte dann auch vorübergehend jedes Vorstellungsvermögen von einem Leben mit drei Kindern.

Letztlich gab es auch keine alles umfassende Antwort auf all meine Fragen. Es spielte für mich dann nach all den Grübeleien, gemeinsamen Gesprächen und Überlegungen nur noch eine Frage eine Rolle: „Fehlt uns da noch jemand, haben wir noch einen Platz im Herzen?“ Ich denke, wie es mit einem weiteren Kind sein wird, werde ich erst wissen, wenn es da ist. Und ich werde natürlich nicht alle Fragen und Sorgen, die sich damit verbinden, von vornherein beseitigen und beantworten können. Ich vertraue darauf, dass sich für alles eine Lösung finden wird – auch für die Frage nach dem „Jedem-Kind-Gerecht-werden“. Ich war irgendwann an dem Punkt, an dem ich aufgehört habe auf ein eindeutiges JA vom Kopf her (das Herzens-JA war schon längst da) zu warten und mich für ein weiteres Kind entschieden habe. Und das genügt mir als Basis für die Entscheidung jetzt auch so….

Ich muss auch zugeben, mir gefällt die Vorstellung, dass zumindest in der Anfangszeit in unserem Leben noch einmal alles ein bisschen weniger geordnet sein wird. Ich würde es rückblickend definitiv bereuen, diesen Mut nicht noch einmal gehabt zu haben.

Also, wer noch vor dieser Entscheidung steht, alles Gute dafür.

Ein Kommentar zu „Das dritte Kind

  1. Ich habe hier noch das Modell zu bieten: Beide Elternteile Einzelkinder, beide noch im Studium und schon mind. 3 bis max. 5 Kinder geplant 😀

    Das erste Kind dürfte sich innerhalb der nächsten 4 Wochen auf den Weg machen, der errechnete Termin ist er 8.6.2014 😉

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